Das Geschäft mit den Lkws läuft konjunkturbedingt immer noch schlecht. Der neue Kraftwerksbereich soll Abhilfe schaffen.
Montag, 23. November 2009
Maschinenbau und Kraftwerke: MAN legt zusammen
Der MAN-Konzern will mit der Fusion seiner Maschinenbausparten das Kraftwerksgeschäft ausbauen und so Auftragseinbrüche bei Lastwagen oder Schiffsmotoren abfedern. "Auf der Basis des heutigen Marktes würden wir schätzungsweise 100 Millionen Euro mehr Umsatz machen, wenn wir die Sparten Dieselmotoren und Turbomaschinen schon zusammengelegt hätten - ohne Wachstum zu unterstellen", sagte Spartenchef Georg Pachta-Reyhofen. "Wir werden mehr Kunden gewinnen, auch größere Volumina." Der Manager leitet die Diesel-Sparte und wird im Januar 2010 Chef des kombinierten Geschäftsfelds MAN Diesel & Turbo.
Die Zusammenlegung der Sparten zu einer zweiten Säule neben dem Nutzfahrzeuggeschäft soll den MAN-Konzern robuster gegen Konjunktureinflüsse machen. Der Lkw-Markt ist starken Schwankungen unterworfen, das Geschäft mit Großmotoren für Schiffe und Kraftwerke (MAN Diesel) und mit Turbinen und Kompressoren für die Öl-, Gas- oder Chemieindustrie (MAN Turbo) läuft dagegen langfristiger. Zu den Hauptkonkurrenten von MAN zählen hier der finnische Maschinenbauer Wärtsiläund die US-Konzerne General Electric und Dresser-Rand.
Wachstum in Schwellenländern möglich
Wie Pachta-Reyhofen ausführte, wollen Diesel- und Turbosparte künftig schlüsselfertige kombinierte Kraftwerke anbieten: Diesel- oder Gasmotoren zusammen mit Dampfturbinen, über die die Abgaswärme genutzt und der Wirkungsgrad der Anlage erhöht werden kann. "Das ist jetzt, da jeder Euro pro Kilowatt in der Stromerzeugung entscheidend ist, von Vorteil." Auch auf Schiffen lasse sich Abwärme nutzen, etwa für die Stromversorgung an Bord. Wachstumschancen sieht der Spartenchef vor allem in Schwellenländern. "Der Hunger nach Energie ist ungebrochen. Diese Länder können nur weiter wachsen, wenn sie elektrische Energie sicher stellen können."
Bei den Kraftwerksaufträgen habe es trotz Krise zuletzt keine Stornierungen gegeben - anders als im Marine-Geschäft, wo ein Viertel der Bestellungen wegbrach. Pachta-Reyhofen sagte, insgesamt habe MAN Diesel 20 Prozent seines Auftragsbestandes - rund 4,3 Milliarden Euro vor September 2009 - durch Stornierungen verloren. "Es ist noch nicht vorbei, aber ich sehe keine Welle mehr." Derzeit komme so gut wie nichts an neuen Marine-Aufträgen herein. Wegen des langen Vorlaufs werde es in zwei, drei Jahren dort eine Senke geben.
Umsatzrückgang 2010
Für 2010 erwartet Pachta-Reyhofen im Diesel-Geschäft einen moderaten Umsatzrückgang. Konkrete Ziele für die fusionierte Sparte wollte er nicht nennen. "Diesel und Turbo werden die Zielrendite von 8,5 Prozent auch 2010 übertreffen." Durch die Spartenfusion sollen in den nächsten ein bis drei Jahren die Kosten um mindestens 50 Millionen Euro sinken. Der Einkauf werde in den nächsten fünf Jahren stärker in Niedriglohnländer verlagert. "Vor allem China ist bei Zulieferern sehr attraktiv." Werde künftig Personal aufgebaut, dann in China oder Indien.
"Der Sinn der Fusion ist nicht, die ein oder andere Stelle einzusparen, sondern Neugeschäft zu akquirieren", sagte Pachta-Reyhofen. Allerdings baut MAN Diesel wegen der Flaute im Marine-Geschäft in Deutschland und Dänemark etwa 800 Stellen ab; rund 200 davon sind schon weggefallen. Zudem weitet die Sparte die Kurzarbeit im Dezember und Januar auf 450 Beschäftigte aus. Der Einspareffekt belaufe sich auf rund 250.000 Euro im Monat.
rts
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