Wirtschaft

Von Goldman Sachs zum Hüter des Euro?Mario Draghi soll es machen

11.05.2011, 17:12 Uhr
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Duisenberg, Trichet, ... Draghi? (Foto: dpa)

Die Chancen von "Super Mario" steigen: Mario Draghi gilt als Spitzenkandidat für EZB-Chefposten. Nach Frankreich, Italien und Spanien unterstützt jetzt auch die deutsche Bundesregierung eine Kandidatur des Italieners.

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Gelobt für Diskretion und Ernsthaftigkeit: Mario Draghi (rechts), hier an der Seite von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Mario Draghi hat das Bild der Banca d'Italia wieder aufpoliert.

Das Ansehen der italienischen Notenbank hatte unter seinem Vorgänger schwer gelitten,

bevor sie während der Wirtschaftskrise unter seiner Leitung international an Format

gewann. Nun strebt der Gouverneur Bank an die Spitze der Europäischen Zentralbank

(EZB) - und seine Chancen steigen: Nachdem Frankreich und Italien die

Kandidatur des 63-Jährigen schon länger befürworten, spricht sich nun auch Bundeskanzlerin

Angela Merkel offen für Draghi aus. In einem Interview mit der "Zeit" hatte sie bereits ihre Unterstützung signalisiert. Kurz darauf bestätigte ein Regierungssprecher die neue Linie: Deutschland werde eine Kandidatur Draghis unterstützen. Bisher

hatte sich die Regierung des ökonomisch wichtigsten Euro-Landes offiziell zurückgehalten.

Draghi genießt großes Ansehen wegen seiner Diskretion und Ernsthaftigkeit.

Er ist kein römischer Lebemann, gilt aber als jemand, der seine Beziehungen zu pflegen

weiß. Zur Banca d'Italia kam Draghi Ende 2005. Damals wurde er ausgewählt, um die

Glaubwürdigkeit der Notenbank wieder herzustellen. Deren damaliger Chef, Antonio

Fazio, hatte mit Verwicklungen in einen Bankenskandal der Reputation der Bank schwer

zugesetzt.

Goldman Sachs im Lebenslauf

Als der Ruf aus Rom kam, arbeitete Draghi gerade als Vizepräsident

bei der US-Investment-Bank Goldman Sachs. Doch als die Notenbank ihn brauchte, räumte

"Super Mario" dort seinen Schreibtisch und kehrte nach Rom zurück. Die

gesamte politische Klasse begrüßte damals die Rückkehr des bekannten Bankers. Dessen

entschlossenes Handeln trug maßgeblich zur Stabilität des italienischen Bankensektors

bei, der Abstand zu toxischen Finanzprodukten hielt und während der Finanzkrise

allzu großen Problemen entging.

Mario Draghi wurde am 3. September 1947 in Rom geboren. Er ist

verheiratet und Vater zweier Kinder. Er absolvierte sein Wirtschaftsstudium in der

italienischen Hauptstadt, anschließend promovierte er in den USA. Es folgte die

Habilitation und die Arbeit als Professor an italienischen Universitäten. Draghi

vertrat sein Land zwischen 1984 und 1990 bei der Weltbank, bevor er 1991 Generaldirektor

im italienischen Finanzministerium wurde. Diesen Posten bekleidete er zehn Jahre

lang. In dieser Zeit war er mit verantwortlich für große Privatisierungen in den

Jahren 1996 bis 2001.

Weggelobt nach Frankfurt?

Die Italiener nehmen seine Analysen sehr ernst. Seine regelmäßigen

Appelle nach Reformen haben dennoch für ein angespanntes Verhältnis vor allem zu

Wirtschaftsminister Giulio Tremonti gesorgt. Das hält Rom dennoch nicht davon ab,

ihn zu seinem Kandidaten für den EZB-Chefposten zu machen und seit über einem Jahr

seine Stellung als potenzieller Nachfolger Jean-Claude Trichets auszubauen.

In seinen Jahren bei Goldman Sachs gewann er Einblicke in das

Innere der privaten Kreditinstitute. Aber was für manche ein Trumpf ist, ist für

andere ein Hindernis - gibt es doch ausgerechnet Vorwürfe an die US-Bank, sie habe

dem europäischen Krisenstaat Griechenland beim Schönen seiner Finanzen geholfen.

Einfühlsame Überzeugungsarbeit

In diplomatischer Art und Weise wusste Draghi in den vergangenen

Monaten Lockangebote in Richtung Berlin zu schicken. Die Unterstützung der Bundesregierung

gilt als entscheidend, damit ein Kandidat den Chefposten bei der Zentralbank bekommt.

So lobte Draghi die deutsche Finanzpolitik und betonte mehrfach die Bedeutung der

Preisstabilität.

Mit diesem Vorgehen sucht der Italiener noch eines der letzten Hindernisse

aus dem Weg zu räumen: seine Nationalität. Italien und Preisstabilität ist für einige

immer noch ein Widerspruch. Inzwischen aber scheint er mit seinem Vorgehen Erfolg

zu haben. Selbst die "Bild"-Zeitung präsentierte ihn jüngst als den "deutschesten

aller verbliebenen Kandidaten" für die EZB. In Anspielung auf die von Draghi

verkörperten "preußischen Tugenden" setzte das Blatt ihm sogar eine Pickelhaube

auf.

Quelle: Mathieu Gorse, AFP