Montag, 12. Oktober 2009
Kontrollsitz bei K+S: Melnitschenko hat's geschafft
Nach monatelangem Tauziehen kann der russische Milliardär und K+S-Großaktionär Andrej Melnitschenko nun doch einen Vertreter in den Aufsichtsrat des Kasseler Düngemittelherstellers entsenden. Der frühere Degussa/Hüls-Chef Uwe-Ernst Bufe habe sich "nach intensiver Diskussion der Gremien bereiterklärt, sein Mandat niederzulegen", teilte K+S in Kassel mit. Bufes Nachfolger solle George Cardona werden, der im Direktorenrat von Melnitschenkos OJSC EuroChem Mineral and Chemical Co in Moskau sitzt.
Melnitschenko ist mit einem Anteil von 16 Prozent größter Einzelaktionär bei K+S. Seit Monaten drängt er in den Aufsichtsrat, das Unternehmen hat aber immer wieder auf das im Mai 2008 bestellte Gremium verwiesen: Das sei für fünf Jahre gewählt, erst 2013 stehe eine Neubesetzung zur Debatte. Angeblich hatte Melnitschenko daraufhin gedroht, sich mittelfristig von seinen Aktien zu trennen.
Cardona - Direktor von Melnitschenkos Investmentholding Linea, die die K+S-Anteile über ihre Beteiligung Eurochem hält - hatte die Verkaufsgerüchte jedoch offiziell zurückgewiesen. Beide Seiten suchten vielmehr eine "einvernehmliche Lösung", um im Aufsichtsrat "angemessen repräsentiert" zu sein.
Ziele nicht erreicht
Cardona wird vorerst bis zur K+S-Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres im Aufsichtsrat sitzen. Dann muss die Hauptversammlung selbst über seine weitere Bestellung entscheiden. Melnitschenko gehören neben dem großen Kohleproduzenten Suek auch der russische Düngemittelhersteller und K+S-Konkurrent Eurochem aus dem Gebiet Murmansk. Immer wieder war spekuliert worden, er strebe mit seinem Einstieg bei den Kasselern eine Fusion an. Das Vermögen des 37-Jährigen wird auf 3,3 bis 4,3 Mrd. Euro geschätzt.
In seinem ersten Jahr im Dax hatte K+S trotz eines Rekordjahres seine Ziele verfehlt. Höhere Kalipreise sorgten zwar für einen Umsatzsprung um 43 Prozent auf 4,79 Mrd. Euro und der Gewinn hatte sich nach Steuern auf 979 Mio. Euro mehr als verfünffacht. Die Gesellschaft hatte aber ihre mehrfach gekappten eigenen Ziele sowie die Erwartungen von Analysten deutlich verfehlt. Die K+S-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Mitarbeiter.
wne/dpa
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