Weber an die EZB-SpitzeMerkel ebnet den Weg
Bundeskanzlerin Merkel ebnet Bundesbank-Präsident Axel Weber einem Zeitungsbericht zufolge den Weg zur Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank. Allerdings muss Merkel dafür einen kleinen strategischen Umweg gehen.
Merkel habe im Vorfeld des informellen EU-Gipfels am Donnerstag eine breite Mehrheit für den portugiesischen Kandidaten Vitor Constancio für den Posten des EZB-Vizepräsidenten gesichert, berichtete die "Wirtschaftswoche" unter Berufung auf Notenbankkreise vorab. Dazu habe sie auch die Unterstützung Frankreichs.
Damit könnte Webers Konkurrent für den EZB-Spitzenposten, Italiens Zentralbankchef Mario Draghi, ins Hintertreffen geraten. Denn sollte sich der Südeuropäer Constancio im Rennen um die Nachfolge von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos gegen den luxemburgischen Zentralbankchef Yves Mersch durchsetzen, könnten Webers Chancen wegen des Regionalproporzes steigen.
Weichen werden gestellt
Die EU-Finanzminister wollen bei ihrem Treffen Mitte Februar über die Besetzung des EZB-Vizepostens entscheiden. Die Entscheidung über die Nachfolge von Trichet steht formal zwar erst im nächsten Jahr an. Der Besetzung des Vizepostens wird aber eine vorentscheidende Bedeutung beigemessen: Nach einem ungeschriebenen Gesetz sollen die beiden EZB-Spitzenjobs von je einem Vertreter aus einem südeuropäischen Land und einem nordeuropäischen Staat besetzt werden.
Nach führenden FDP-Politikern hatte sich am Freitag auch CSU-Chef Horst Seehofer für Weber als Trichet-Nachfolger starkgemacht. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte dagegen erklärt, es gebe für die Bundesregierung keinen neuen Sachstand. Da die Amtszeit von EZB-Chef Trichet erst 2011 ende, sei eine Diskussion zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht angebracht.