Wirtschaft

"Forbes"-Liste der Reichen: Milliardärsboom in China

Bislang war das Bild klar: In den USA gibt es die Superreichen, in Europa auch ein paar - der Rest ist Dritte Welt. Dass viele frühere Entwicklungsländer rasant aufholen, spricht sich zwar herum. Doch die neue "Forbes"-Liste der Milliardäre zeigt: Indien, China, Brasilien und Russland kommen nicht - sie sind schon längst da.

Auf einer Luxusgüter-Messe in Peking.
Auf einer Luxusgüter-Messe in Peking.(Foto: REUTERS)

In China, Russland und Brasilien ist die Zahl der Milliardäre 2010 rasant angestiegen. Wie aus der jüngsten Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt hervorgeht, hat sich die Zahl der chinesischen Milliardäre auf 115 fast verdoppelt. In Russland und Brasilien sprangen die Zahlen der Superreichen gar um zwei Drittel auf 101 beziehungsweise 30.

Damit sind China und Russland die ersten beiden Länder, die neben den USA die 100er-Marke geknackt haben. Moskau zeigt demnach mit 79 Milliardären die höchste Dichte auf, gefolgt von New York mit 58. Getrieben wurde der Milliardärsboom unter anderem in Russland vom Anstieg der Rohstoffpreise und in China und Indien vom starken Wirtschaftswachstum.

Das sind Verschiebungen, über die Steve Forbes in seinem Magazin selbst staunt: "Vor zehn Jahren kam die Hälfte der Milliardäre aus den USA, heute ist es noch ein Drittel." Asien habe nun mehr Milliardäre (332) als Europa (300). Und die Hauptstadt der Superreichen ist nicht mehr New York. Noch lebt zwar jeder dritte Milliardär in den USA, aber die Schwellenländer holen auf.

Und der Reichste aller Reichen ist im zweiten Jahr in Folge kein US-Amerikaner, sondern der mexikanische Telekom-Tycoon Carlos Slim. Er führt die Liste der 1209 Milliardäre mit einem Vermögen von 74 Mrd. Dollar an. Ihm folgen der Mitgründer des Computer-Imperiums Microsoft, Bill Gates, mit 56 Mrd. Dollar und Investor Warren Buffett mit 50 Mrd. Dollar. Hätte Gates allerdings nicht bisher insgesamt 28 Mrd. Dollar gestiftet, würde er noch immer an der Spitze stehen, von der er zwischen 1995 und 2010 nur zweimal vertrieben wurde.

Reichster Europäer ist auf Platz vier der Bernard Arnault mit 41 Mrd. Dollar, dem Franzosen gehört der Luxusgüterkonzern Louis Vuitton-Moët Hennessy (LVMH).

Erstmals seit Jahren ist unter den ersten Zehn kein Deutscher zu finden. Reichster Deutscher ist Aldi-Gründer Karl Albrecht, dessen Vermögen "Forbes" auf 25,5 Mrd. Dollar schätzt. "Deutschland ist eine der größten Wirtschaften der Welt mit einem tollen Wachstum", analysiert Forbes. "Aber Milliardäre werden woanders gemacht."

Eine Wirtschaftsmacht habe aber noch mehr enttäuscht: "Der Hund, der nicht bellt, ist Japan", sagt Forbes. Vor 20 Jahren habe man von den Japanern noch die ökonomische Weltherrschaft erwartet, heute sei das Land ein großer, aber ernüchterter Spieler in der Wirtschaft. Auch das boomende Indien habe verloren und statt 94 nur noch 55 Milliardäre. "Aber dafür ist deren Wirtschaft breiter aufgestellt. Sie sind damit auch krisenfester." Denn der Aufschwung in China und Russland sei ein Produkt des weltweiten Aufschwungs und stehe auf tönernen Füßen. "Der Einbruch wird kommen. Wir wissen nicht wann, wir wissen nicht, wie stark. Aber er wird kommen."

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen