Mittwoch, 23. Juni 2010
Jahrelange Preisabsprachen: Millionenstrafe für Klo-Kartell
Jahrelange haben deutsche Verbraucher zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne bezahlt. Jetzt müssen die Sanitär-Ausstatter dafür büßen, denn das Kartellamt brummt ihnen saftige Bußgelder auf.
Mehr als 250 Mal sollen sich Unternehmensvertreter von Sanitär-Produkten zur Preisabsprache getroffen haben.
(Foto: picture alliance / dpa)
Die EU-Kommission hat wegen verbotener Preisabsprachen in Europa tätigen Sanitär-Hersteller gegen 17 Firmen Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro verhängt. Dem Kartell gehörten sechs deutsche Badezimmer- Ausstatter an, darunter auch Villeroy & Boch. "Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Er empfahl Geschädigten, die Firmen zu verklagen.
Zwölf Jahre lang hielten die Sanitärunternehmen in Deutschland und fünf weiteren EU-Ländern die Preise künstlich hoch. Aus Deutschland beteiligten sich die Unternehmen Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa, Kludi und Villeroy & Boch. Von ihnen muss Villeroy & Boch die höchste Strafe von 71,5 Millionen Euro zahlen. Grohe wurde die Geldbuße um ein Drittel erlassen, weil das Unternehmen mit der EU-Kommission zusammenarbeitete. Die höchste Strafe brummten die Wettbewerbshüter dem US-Hersteller Ideal Standard mit 326 Millionen Euro auf.
"Dieses Kartell kann als wohlorganisiertes Kartell gelten", sagte Almunia. Zwischen 1992 und 2004 hätten die Firmen die Preise für Toilettenboiler, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen. Mehr als 250 Mal hätten sich Firmenvertreter getroffen.
Krisen-Rabatt
Ein verbotenes Kartell zu bilden kann für ein Unternehmen teuer werden, denn die EU sieht Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes vor. In diesem Fall bleiben die Beträge aber weit darunter. Grund dafür ist die aktuelle Wirtschaftskrise, in der die EU-Kommission Rücksicht auf die schwierige Lage vieler Firmen nimmt. So hatten einige Kartellsünder erklärt, sie würden pleitegehen, wenn sie die üblichen hohen Summen zahlen müssten. "Es geht in der Wettbewerbspolitik nicht darum, Unternehmen den Todesstoß zu versetzen", betonte Almunia.
Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche entschieden, in der Krise Kartellsündern entgegenzukommen. So können Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten ihre Geldbußen künftig leichter in Raten abbezahlen. Anders als bisher müssen sie für noch nicht beglichene Raten keine Bankgarantie mehr vorweisen. Von dieser Regelung profitieren auch die deutschen Sanitärausstatter.
dpa
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