Wirtschaft

Eine Ära geht zu Ende"Mister Puma" macht Gucci

18.10.2010, 16:09 Uhr

Puma ist Jochen Zeitz, Jochen Zeitz ist Puma. Der langjährige Chef des Sportartikelkonzerns mit dem markanten Logo wechselt 2011 in den Verwaltungsrat. Dort soll Zeitz, der Puma vom Sanierungsfall zum Trendsetter gemacht hat, sich auch für Großaktionär PPR um Zukäufe kümmern.

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Puma-Chef Jochen Zeitz wechselt in Verwaltungsrat. (Foto: REUTERS)

Die Not war damals groß. Mit Jochen Zeitz wurde ein erst 30-Jähriger als Puma-Retter geholt. Er sollte als neuer Vorstandschef die finanziellen Schwierigkeiten des Sportartikel-Herstellers beheben. Vor allem sollte die Raubkatzen-Marke, um die viele Konsumenten lieber einen Bogen machten, wieder cool werden.

Heute ist Zeitz 47 Jahre alt und hat seine Sanierungsaufgabe mehr als erfüllt: Puma wuchs dank neuer Ausrichtung über viele Jahre schneller als die größeren Konkurrenten Nike und Adidas. Das Billig-Image konnte abgelegt werden. Der Umsatz erhöhte sich von rund 200 Mio. auf zuletzt 2,5 Mrd. Euro im Jahr. Zudem arbeitete Puma lange mit besseren Margen als die Konkurrenz. Der Aktienkurs kletterte von einst 8,60 Euro auf zeitweise 350 Euro. Zeitz wurde zu einem der bestbezahlten Manager in Deutschland. Mehr als 7 Mio. Euro verdiente er, als sein Gehalt letztmals ausgewiesen wurde.

Sparen in der Krise

Doch in der weltweiten Wirtschaftskrise 2008 und 2009 fiel Puma zurück, punktete kaum noch mit innovativen Produkten, sparte sich vielmehr durch die harte Zeit. An der Börse herrscht seitdem Tristesse, gut 250 Euro kosten derzeit Puma-Anteile. Nun soll es wieder aufwärtsgehen. Vier Milliarden Euro Umsatz sind bis 2015 angepeilt. Zeitz hat zwar an der Strategie dafür gebastelt, umsetzen soll sie jedoch ab 2011 ein anderer. Der gebürtige Mannheimer, der nach dem Studium seine Karriere bei Colgate-Palmolive in New York und Hamburg begann, dann aber schnell zu Puma ins Marketing wechselte, soll künftig dem Verwaltungsrat des Traditionsunternehmens vorstehen und damit eher Kontrollfunktionen wahrnehmen.

"One-Man-Show"

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Gut gebrüllt: Jochten Zeitz gilt als "Mister Puma". er machte aus dem Auslaufmodell mit der Raubkatze einen Trendsetter. (Foto: REUTERS)

Puma ohne Zeitz - das war lange undenkbar. "Er war eine One-Man-Show", sagt einer, der ihn seit vielen Jahren begleitet. Bis 2005 war er als Vorstandschef auch für die Ressorts Finanzen, Personal, Marketing, Vertrieb und die Verwaltung zuständig. Seitdem hat er langsam Aufgaben abgegeben, etwa durch die Vergrößerung des Führungsgremiums. "Jetzt ist er eher Coach als Spielmacher."

Meilenweit bis Marathon

Seine Karriere geht nun auf internationalerer Ebene weiter: Für die französische Puma-Mutter PPR, die vor allem für die Luxus-Marke Gucci bekannt ist, soll der nüchterne und stets genau abwägende Manager den neuen Sport-Bereich leiten. Zudem bekommt er auf höchster Ebene die Verantwortung für das Thema Nachhaltigkeit, das bei vielen Firmen noch keinen Vorstandsrang hat. Beides passt bestens zu Zeitz.

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Jochen Zeitz soll für Großaktionär PPR neue Marken finden, die Puma ergänzen. (Foto: REUTERS)

Im Sport-Bereich kennt sich der leidenschaftliche Läufer, der den New York Marathon schon einmal in drei Stunden und 40 Minuten bewältigt hat, naturgemäß aus. Für PPR soll er nun vor allem neue Marken finden, die Puma ergänzen. Übernahmen werden damit sein neues Spezialgebiet, während er bisher oft auf Wachstum aus eigener Kraft setzte.

Nachhaltiger Erfolg

Helfen wird dem mit vielen Preisen ausgezeichneten Zeitz sein internationaler Hintergrund. Er spricht sechs Sprachen, als Kenner Afrikas auch Suaheli. Er besitzt eine Farm in Kenia und hatte zur Fußball-WM 2010 in Südafrika in manchen Werbungen das Puma-Logo geändert - die Silhouette des afrikanischen Kontinents ersetzte die springende Raubkatze.

Nachhaltigkeit hat sich Zeitz seit Jahren auf die Fahnen geschrieben. Puma will bis 2015 ein Viertel an CO2, Energie, Wasser und Abfall sparen. Der klassische Schuh-Karton wurde durch eine ökologischere Tragetasche ersetzt. Nun soll sich das ganze 17-Mrd.-Euro-Unternehmen PPR in diese Richtung bewegen.

Quelle: rts