Das zweite "AAA" ist in GefahrMoody's droht Washington

Im Schatten des 16 Billionen Dollar schweren Schuldenbergs der USA verlieren die Experten ihre Geduld: Mitten im laufenden Präsidentschaftswahlkampf stellen die Analysten von Moody's die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft in Frage. Nach der Herabstufung durch S&P droht die zweite große Ratingagentur mit den Daumenschrauben.
Die Ratingagentur Moody's droht den Vereinigten Staaten mit dem Entzug der
Bonitätsbestnote "AAA". Sollten die Verhandlungen über den Haushalt
2013 nicht zu einem Rückgang des Schuldenstands führen, werde es wahrscheinlich
zu diesem Schritt kommen, teilte Moody's mit.
"Wenn die Verhandlungen zu einer Politik führen, die mittelfristig eine
Stabilisierung und dann einen Rückgang im Verhältnis der Staatsschulden zum
Bruttoinlandsprodukt zur Folge haben, dürfte das Rating bestätigt und der
Ausblick wieder stabil sein", erläuterten die Moody's-Analysten ihre
Einschätzung. "Wenn diese Verhandlungen aber nicht zu einer solchen
Politik führen, dann würde Moody's wahrscheinlich das Rating senken, vermutlich
auf 'Aa1'." Derzeit führt Moody's die USA noch mit der Bestnote "AAA",
allerdings mit "negativem" Ausblick.
Der Dollar geriet durch die Drohung zeitweise unter Druck. Der kletterte im Verhältnis zur US-Währung auf den höchsten Stand seit vier
Monaten. An den blieb die Rating-Drohung zunächst ohne sichtbare Wirkung. Abgesehen vom Bewertungssystem von Moody's rangieren die USA auch bei
der Ratingagentur Fitch derzeit noch mit "AAA" in der bestmöglichen
Bewertungskategorie.
Die konkurrierende Ratingagentur (S&P) - die
dritte große Agentur unter den drei großen Namen im internationalen Rating-Geschäft - hatte der weltgrößten
Volkswirtschaft bereits im vergangenen Jahr das "AAA"-Rating
entzogen. Anders als zunächst befürchtet, hatte die Herabstufung um eine Notenstufe durch S&P
vorerst keine negativen Auswirkungen auf die Kreditaufnahme der USA.
Schäuble kritisiert USA
Die USA sind aktuell mit rund verschuldet. Das ist sehr
nahe an der gesetzlich festgelegten Schuldenobergrenze von rund 16,4 Billionen
Dollar. Das enorme Ausmaß der Verschuldung ist nicht nur Gegenstand
innenpolitischer Auseinandersetzungen im laufenden Präsidentschaftswahlkampf.
Auch im Ausland sehen Beobachter die Entwicklung mit zunehmender Sorge -
auch und gerade vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Europa. Ausdrücklich
kritisierte zuletzt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die hohe
Staatsverschuldung in den USA, da sie die globale Konjunktur bremse.
"Vor
den Wahlen in den USA besteht eine große Unsicherheit über den künftigen Kurs
der US-Politik bei der Bewältigung der viel zu hohen amerikanischen
Staatsverschuldung", sagte Schäuble im Bundestag. "Daran muss man
gelegentlich erinnern."
Mit zweierlei Maß
Schäuble bezieht sich damit auf die politischen Kräfteverhältnisse in den
USA: Eine durchgreifende Lösung der Schuldenproblematik ist aufgrund des
laufenden Wahlkampfs nicht in Sicht. Im Kongress herrscht zudem zwischen dem
Regierungslager von Präsident Barack Obama und den Republikanern eine Art
Patt-Situation.
Experten befürchten, dass sich die Lage auch nach den Wahlen im
November nur wenig verändern dürfte. Es sei schwierig vorherzusehen, wann der
Kongress im Jahr 2013 die Verhandlungen abschließen könne, bestätigte Moody's.