Wirtschaft

Ratingagentur benotet Reformen: Moody's straft Portugal ab

Die Schuldenkrise verfolgt die Finanzminister Europas bis in die kleinsten Verhandlungsrunden: Noch während die Euro-Länder versuchen, die eigensinnigen Slowaken vom Sinn des gemeinsamen Rettungsschirms für strauchelnde Staaten zu überzeugen, zeigen die Bonitätsprüfer der Ratingagentur Moody's, wo im Finanzmarkt der Hammer hängt. Die Note Portugals rutscht, der Euro reagiert.

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote Portugals gesenkt. Die Analysten stuften die Kreditwürdigkeit des Landes um zwei Notenschritte tiefer auf "A1" ein. Zur Begründung hieß es, die finanzielle Stärke Portugals werde mittelfristig geschwächt. Das Wachstum des Landes bleibe vermutlich schwach, es sei denn, die Strukturreformen zeigten mittel- bis langfristig Wirkung.

Nach der Herabstufung fiel der Euro und die Risikoaufschläge auf zehnjährige portugiesische Staatsanleihen legten zu. Erst am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre im Mai begonnenen Interventionen am Markt für Staatsanleihen weiter zurückgefahren. In der zurückliegenden Woche hatte die EZB eigenen Angaben zufolge Staatspapiere im Gesamtwert von einer Milliarde Euro übernommen. In den Vorwochen waren es jeweils vier Milliarden gewesen. Zu Beginn des umstrittenen Programms, bei dem die EZB erstmals in ihrer Geschichte Papiere eine Euro-Landes erwarb, waren es binnen einer Woche noch 16,5 Mrd. Euro gewesen.

Die Zentralbank der Euozone hatte auf dem bisherigen Höhepunkt der Schuldenkrise Anfang Mai damit begonnen, Papiere von Problemländern wie Griechenland und Portugal zu kaufen. Sie stützt damit diese Staaten. Offiziell wurden die Käufe aber stets damit gerechtfertigt, dass wegen der großen Probleme am Rentenmarkt die Übertragung der geldpolitischen Impulse der Währungshüter sicher gestellt werden muss. Seit Beginn des Programms hat die EZB für insgesamt 60 Mrd. Euro Staatsanleihen gekauft.

Im Vergleich zu anderen Notenbanken fällt das Vorlumen relativ gering aus. So hatte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der Finanzkrise damit begonnen, "US-Treasuries" zu kaufen - für 300 Mrd. Dollar. Die Bank von England kaufte für 200 Mrd. Pfund britische "Gilts". Den beiden Notenbanken in Washington und London ging es bei ihren Programmen im Gegensatz zur EZB allerdings darum, die Liquidität im Finanzsystem generell zu erhöhen und damit eine Ausbreitung der Krise zu stoppen.

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Quelle: n-tv.de

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