Wirtschaft
Rupert Murdoch hat derzeit wenig Grund zur Freude.
Rupert Murdoch hat derzeit wenig Grund zur Freude.(Foto: dpa)

Gegner bringen sich in Stellung: Murdochs Macht bröckelt

von Matthias Bossaller

Rupert Murdochs Medien-Imperium gerät zunehmend ins Wanken. Der Abhörskandal von Großbritannien erfasst mittlerweile auch Australien und die USA und droht dort seine Geschäfte negativ zu beeinflussen. Die Übernahme der Pay-TV-Gruppe BSkyB muss er bereits abschreiben.

Die zahlreichen Feinde von Rupert Murdoch haben dieser Tage Grund zu feiern. Der durch den Familien toter Soldaten abgehört? stark unter Druck geratene Medienmogul wird von vielen Seiten hart angegangen. Seine Gegner deuten den Machtverluste des Australiers als Etappensieg. Am Ende wollen sie das gesamte Imperium fallen sehen. Ins Wanken geraten ist es bereits jetzt schon. Die gemeinsame Front von Regierung und Opposition in Großbritannien durchkreuzte die weitreichenden Expansionspläne des Unternehmers, der 1989 im europäischen Medienmarkt Fuß gefasst hatte. Murdochs Konzern News Corporation hatte den Sky Channel übernommen und unter dem Namen Sky Television neu gegründet.

Unter dem politischen Druck knickte Murdoch ein und verzichtete zähneknirschend auf die Übernahme der britischen Bezahlsenderkette British Sky Broadcasting (BSkyB). Ein wichtiger strategischer Milliardendeal kam somit nicht zustande. Außerdem könnten Murdoch auch durch die Ankündigung der Medienaufsichtsbehörde Ofcom Probleme ins Haus stehen. Diese möchte keinesfalls darauf verzichten, seine Eignung als Medienunternehmer zu überprüfen, nur weil er auf die Übernahme von BSky B verzichtet hat.

Labour drängt auf richterliche Untersuchungen

Bereits zuvor schwenkte Premierminister David Cameron, der Murdoch zunächst bei seinen Plänen unterstützt hatte, auf die Linie der Labour-Opposition ein. Hierzu veranlassten ihn die weit verbreitete öffentliche Abscheu über die schmuddeligen und illegalen Abhörmethoden des in der Zwischenzeit eingestellten Murdoch-Boulevardblattes "News of the World". Labour-Chef Ed Miliband war es, der früh auf weitreichende, richterliche Untersuchungen des Skandals drängte. Von Labour kam auch der Antrag, Murdoch aufzufordern, die Übernahmeofferte für BSkyB zurückzuziehen.

Aber nicht nur in Großbritannien, sondern auch in seinem Heimatland Australien gerät Murdoch unterdessen unter Druck. Der Abhörskandal hat auch dortige Politik auf den Plan gerufen. Premierministerin Julia Gillard sprach sich für eine Untersuchung der Medienrichtlinien und der Besitzverhältnisse auf dem Zeitungsmarkt aus. Sie sei "geschockt und angewidert" von den Eingriffen in die Privatsphäre trauernder Familien in Großbritannien. In Australien spielt Murdochs Konzern News Corporation eine wichtige Rolle. So gibt es etwa in einigen Städten nur Zeitungen zu kaufen, die zum Murdoch-Konzern gehören.

Telefone von Opfern des 11. Septembers angezapft

Der Abhörskandal schwappte auch in die USA hinüber und könnte dort Murdochs Geschäfte beeinflussen. Senator Jay Rockefeller forderte die Behörden auf, zu untersuchen, ob News Corporation Gesetze gebrochen hat. Er erwähnte Berichte, die Journalisten von "News of the World" vorwerfen, die Telefone von Opfern der Attentate des 11. September 2001 angezapft zu haben. Ähnliche klingen die Beschuldigungen aus Großbritannien: Abgehörte Telefonate von Prominenten, Verbrechensopfern oder Hinterbliebenen gefallener Soldaten.

Aufgrund des öffentlichen Drucks und dem Aufschrei der Empörung denken Murdoch und seine Berater laut "Wall Street Journal" mittlerweile darüber nach, sich von allen Zeitungen im Vereinigten Königreich zu trennen, was einen Verlust seines Einflusse bedeuten würde. Neben der nicht mehr existierenden "News of the World" gehören die Zeitungen "The Sun", "The Times of London" und "The Sunday Times" dazu. Angesichts der angespannten Wirtschaftslage in Großbritannien gibt es jedoch bislang noch keinen Kaufinteressenten. Ein lukratives Geschäft ist mit den Blättern und dem schlechten Ruf, der ihnen vorauseilt, wohl nicht mehr zu erzielen.

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Quelle: n-tv.de

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