Wirtschaft

Überraschungsgebot für KarstadtNach Berggruen nun Borletti

01.08.2010, 13:50 Uhr

Das Bieterwettrennen um Karstadt nimmt absurde Züge an. Kurz vor der erwarteten Einigung mit dem Investor Berggruen und zwei Monate nach dem offiziellen Ende der Angebotsfrist legt der italienische Kaufhaus-König Borletti plötzlich ein dreistelliges Millionenangebot auf den Tisch.

Karstadt-Strippen
Bei Karstadt ist viel Bewegung drin, trotzdem geht es nicht weiter. (Foto: REUTERS)

Jetzt, da die Entscheidung über die Zukunft von Karstadt fast täglich erwartet wird, meldet der italienische Kaufhaus-König Maurizio Borletti überraschend Interesse an der insolventen Warenhauskette an. Die offizielle Bieterfrist ist bereits Ende Mai abgelaufen. Das Amtsgericht will in gut einer Woche über den Insolvenzplan entscheiden. Die Zeit wird knapp. Ob das Gebot noch den Lauf der Dinge beeinflussen kann, ist fraglich.

Finanzkreisen zufolge bietet Borletti rund 100 Mio. Euro für Karstadt, Berggruens Angebot liegt bei 65 Mio. Als Finanzierungspartner hat der Italiener den auf Sanierungen spezialisierten US-Handelsinvestor Gordon Brothers gewonnen, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Gordon hatte in Deutschland die insolvente Drogeriekette "Ihr Platz" gerettet, war mit seiner Offerte für Woolworth aber gescheitert.

Nach Angaben der Insolvenzverwaltung hat das Gebot aber kaum Chancen, den Milliardär Nicolas Berggruen noch in letzter Minute auszustechen. Wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg erklärte, wirft das Schreiben von Borletti "mehr Fragen auf als es beantworten würde". Außerdem sei die Angebotsfrist Ende Mai abgelaufen und Görg an den notariell unterzeichneten Kaufvertrag mit Berggruen gebunden.

Borletti lehnt sich weit raus

Maurizio-Borletti
Kann Borletti auf den letzten Metern noch etwas bewegen? (Foto: © Tonino Muci/FM2)

Einem Bericht von "Bild am Sonntag" zufolge will Borletti verhindern, dass die Karstadt-Häuser geschlossen werden, wenn eine Übernahme durch Berggruen scheitert: "Eine Liquidation ist keine Option. Ich habe beim Insolvenzverwalter ein eigenes Angebot für Karstadt abgegeben", zitierte ihn die Zeitung. Görg wertet den Brief aber noch nicht als förmliche Offerte. Er ist nach dem Votum der Gläubiger auch nicht an das höchste Angebot gebunden.

Borletti gehören die Luxus-Kaufhausketten "La Rinascente" und "Printemps" in Italien und Frankreich. Ihm wird vor allem Interesse am Berliner "KaDeWe" und anderen Aushängeschildern von Karstadt nachgesagt. Borletti ist mit rund zwei Prozent auch an dem Konsortium Highstreet beteiligt, das Arcandor die Karstadt-Immobilien für 4,6 Mrd. Euro abgekauft hatte und nun als Vermieter auftritt.

Highstreet geht auf Distanz

Die von Goldman Sachs und der Deutschen Bank dominierte Highstreet ging auf Distanz: "Highstreet ist nicht Teil des Angebots von Herrn Borletti. Solange Herr Görg das Angebot nicht in Erwägung zieht, gibt es für uns keinen Anlass, dieses Angebot zu prüfen", sagte ein Sprecher.

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Nicolas Berggruen (Foto: picture alliance / dpa)

Berggruen muss sich bis zum 8. August mit Highstreet und deren Geldgebern einigen, um endgültig den Zuschlag für die Kette mit 120 Warenhäusern und 25.000 Mitarbeitern zu bekommen. Am 10. August will das Amtsgericht Essen auf dieser Basis über den Insolvenzplan entscheiden, mit dem Karstadt entschuldet werden soll. Die Gläubiger, denen die frühere Arcandor-Tochter mehr als zwei Mrd. Euro schuldet, verzichten demnach auf 97 Prozent ihrer Forderungen, wenn Karstadt unter neuer Führung weitermachen kann.

Jetzt muss es schnell gehen

Gläubiger einer von Highstreet begebenen Anleihe haben den von Berggruen geforderten Mietsenkungen bereits zugestimmt, das Ja der übrigen Kreditgeber soll so schnell wie möglich eingeholt werden. Zünglein an der Waage ist die kleine Essener Valovis Bank, die Highstreet 850 Mio. Euro geliehen hat. Sie bangt um ihre Sicherheiten, wenn die Kaufhaus-Immobilien an Wert verlieren. Berggruen war ihr bereits entgegengekommen.

Ein Valovis-Sprecher sagte, in vielen Punkten bestehe mit Berggruen Klarheit, Highstreet müsse aber den Vereinbarungen noch zustimmen. Borletti habe die Bank nicht vorab über seinen Plan informiert: "Valovis ist es egal, wer Karstadt kauft - Berggruen oder Borletti", sagte der Sprecher.

Quelle: ddi/rts