Wirtschaft

Nyse-Übernahme auf die harte TourNasdaq nähert sich feindlich

02.05.2011, 22:03 Uhr
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Händler in Frankfurt: Wer kauft wen? (Foto: REUTERS)

Jetzt wird es richtig brenzlig für die Deutsche Börse und ihren Wunschpartner New York Stock Exchange: Die US-Technologiebörse Nasdaq und die mit ihr verbündete US-Rohstoffbörse ICE werben nun direkt unter Nyse-Aktionären um Zustimmung. Eine feindliche Übernahme droht.

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Kurzes Telefonat an der frischen Luft: Ein Händler nutzt ein Päuschen vor dem Haupteingang der Nyse in Manhattan zu einem vertraulichen Gespräch. (Foto: REUTERS)

Im Bieterwettstreit um den Wall-Street-Betreiber Nyse Euronext wenden sich Nasdaq OMX und ICE nun direkt an die Nyse-Aktionäre. Dem Fusionspartner der Deutschen Börse droht damit eine feindliche Übernahme, also der Einstieg eines neuen Eigentümers ohne Zustimmung des Managements.

Mit der 11 Mrd. US-Dollar schweren Offerte wolle man den Nyse-Aktionären die Möglichkeit geben, das Gebot direkt zu prüfen, teilte die Nasdaq OMX Group zusammen mit dem Chicagoer Rohstoffbörsenbetreiber Intercontinental Exchange (ICE) mit. Stimmen die mehrheitlich Anteilseigner zu, stehen die Übernahmepläne der Deutschen Börse vor dem Aus.

"Der Verwaltungsrat der Nyse Euronext hat unser überlegenes Angebot zwei Mal ausgeschlagen, ohne überhaupt mit uns zu reden", ereiferte sich ICE-Chef Jeffrey Sprecher. "Wir wenden uns mit unserem Angebot jetzt direkt an die Aktionäre der Nyse Euronext." Denen offeriert das Bieterduo umgerechnet rund 7,4 Mrd. Euro in Bar und eigenen Aktien. Nehmen die Anteilseigner an, platzt die Fusion mit den Frankfurtern.

Die bisherigen Annäherungsversuche von Nasdaq und ICE waren ins Leere gelaufen, weil die Nyse mit der Deutschen Börse fusionieren will. Das Nyse-Management habe es mehrfach abgelehnt, über die vorgelegte Offerte zu verhandeln, obwohl die Rückmeldungen der Nyse-Aktionäre positiv waren, betonte nun Nasdaq-Chef Bob Greifeld. Man sei aber weiterhin zuversichtlich, dass der Verwaltungsrat der Nyse den Wert der Offerte würdige.

Gefahr für die deutschen Pläne

Die Deutsche Börse will mit dem amerikanisch-europäischen Betreiber der New Yorker Börse an der Wall Street den weltgrößten Börsenbetreiber schmieden. Darauf hatten sie sich nach monatelangen Verhandlungen Anfang des Jahres geeinigt. Das Gegenangebot von Nasdaq und ICE hatte Nyse-Verwaltungsratschef Jan-Michiel Hessels noch jüngst als "illusorisch" bezeichnet: "Wir glauben nicht, dass sie die nötigen Genehmigungen bekommen." Wettbewerbshüter und Finanzaufsicht müssen zustimmen - und eine Kombination aus Nyse und Nasdaq würde die Börsenlandschaft in den USA umwälzen.

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Symbol US-amerikanischer Finanzkraft: Die Fassade der New Yorker Börse. (Foto: AP)

Die Nasdaq bietet je Nyse-Aktie 14,24 Dollar in Cash und 0,4069 eigene Aktien. Obendrauf kommen 0,1436 Aktien der ICE. Bei der Fusion mit der Deutschen Börse bekämen die Nyse-Aktionäre dagegen 40 Prozent am neuen Gesamtunternehmen. Auf der Nyse-Hauptversammlung vor wenigen Tagen hatten einige Anteilseigner gemurrt, sie seien unter Wert verkauft worden, und auf einen höheren Anteil gedrungen. Auf diese unzufriedenen Aktionäre setzen Nasdaq und ICE.

Nasdaq-Chef Bob Greifeld sprach von einer "positiven Resonanz", die er von den Nyse-Aktionären bekommen habe. Dem Nyse-Verwaltungsrat bot er Gespräche an, wenngleich sich die Stimmung zwischen den beiden Lagern durch das feindliche Übernahmeangebot nicht verbessert haben dürfte. Im Mai wollen Nasdaq und ICE die Einzelheiten ihrer Offerte offenlegen. Schon jetzt stieg die Nyse-Aktie um ein gutes Prozent.

Deutsche Börse und Nyse versuchen, ihren Aktionären die Fusion mit der Aussicht auf höhere Einsparungen und damit höhere Gewinne schmackhaft zu machen. Nach bisherigen Plänen sollen die Nyse-Anteilseigner auf einem extra anberaumten Aktionärstreffen am 7. Juli über den Zusammenschluss befinden.

Quelle: DJ/dpa