Borletti mit OberwasserNeue Runde im Karstadt-Theater?
Eigentlich ist Karstadt gerettet - der Milliardär Berggruen am Zug. Aber hinter den Kulissen wird weiter gerungen. Die Fäden dabei scheint der Vermieter Highstreet in der Hand zu halten. Und der hat offenbar andere Pläne.
Der italienische Kaufhaus-Betreiber Maurizio Borletti wittert eine Chance, als Käufer der insolventen Warenhauskette Karstadt doch noch zum Zug zu kommen. Der schon einmal verschobene Termin, bis zu dem sich der Milliardär Nicolas Berggruen mit den Vermietern der Warenhäuser einigen muss, droht erneut zu platzen, wie drei mit dem Tauziehen vertraute Personen sagten. "Eine nochmalige Verschiebung ist nicht auszuschließen", sagte eine von ihnen. Damit müssten die 25.000 Mitarbeiter und die Lieferanten wohl bis September auf einen neuen Eigner für Karstadt warten.
Borletti forderte Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg auf, nicht länger als bis 10. August auf Berggruen zu warten oder ihn gleichberechtigt als Bieter zuzulassen. Bisher beißt er bei Görg aber auf Granit: "Er will nicht mit uns ins Geschäft kommen", räumte der Betreiber der Kaufhausketten "La Rinascente" und "Printemps" ein.
Borletti hatte erst am Wochenende seinen Hut bei Karstadt in den Ring geworfen, nachdem seine gemeinsame Offerte mit Goldman Sachs vor zwei Monaten durchgefallen war. Finanziert wird seine neue, auf 100 Mio. Euro aufgebesserte Offerte vom US-Einzelhandelsinvestor Gordon Brothers. Borletti argumentierte in einer Telefonkonferenz, Berggruen habe es anders als im Juni versprochen nicht geschafft, rechtzeitig die neuen Mietverträge unter Dach und Fach zu bringen. Also könne Görg auch für ihn eine Ausnahme machen. "Ziel ist doch die bestmögliche Zukunft für Karstadt", warb der Italiener für seinen Vorstoß.
Borletti und die Connection
Borletti setzt auf seine Partner im Vermieter-Konsortium Highstreet, dem 86 der 120 Warenhäuser gehören. "Ich bin sicher, dass wir uns schneller einigen können als unser Wettbewerber", sagte er. Borletti hält einen kleinen Anteil von zwei Prozent an Highstreet. "Wenn wir zugelassen würden, wären unsere Chancen sehr hoch." Borletti versprach, die Gewinne würden fünf Jahre lang in die Warenhäuser reinvestiert. Ein Highstreet-Sprecher bekräftigte allerdings, dass Borlettis Angebot für die Vermieter so lange kein Thema sei, wie Görg nicht darauf eingehe.
Verdi skeptisch – Görg unnachgiebig
Auch bei Verdi stößt der Italiener auf Zurückhaltung: "Aus unserer Sicht gibt es keinen Raum für einen weiteren Investor", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft. Bei Verdi frage man sich zudem, ob er seine Offerte tatsächlich finanzieren könne.
Insolvenzverwalter Görg hält am Kaufvertrag mit Berggruen fest, wie ein Sprecher bekräftigte. Am Donnerstag trifft sich der Gläubigerausschuss von Karstadt, um über die Lage vor Ablauf der Frist zu beraten. Borletti bedauerte, dass er sein Konzept dort nicht präsentieren dürfe.
Wenn Berggruen mehr Zeit für eine Einigung braucht, müsste dem das Amtsgericht Essen zustimmen, das am 10. August über den Insolvenzplan zur Entschuldung von Karstadt entscheiden wollte. Gr und für die Verzögerung sind Verhandlungskreisen zufolge Forderungen aus dem Kreis der Gläubiger von Highstreet, eine Versammlung einzuberufen, um über die Mietsenkungen und die Änderungen an den Kreditverträgen abzustimmen. Dazu müsste 21 Tage vorher eingeladen werden. Das Highstreet-Konsortium hatte gehofft, die Zustimmung schneller im schriftlichen Verfahren einholen zu können. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich am Freitag nochmals in die Verhandlungen einschalten.