Wirtschaft

Trauer um bekannten Ökonomen: Norbert Walter ist tot

Von Jan Gänger

Über zwanzig Jahre war der streitbare Professor eines der bekanntesten Gesichter der Deutschen Bank. Für Aufsehen sorgte er, als er als einer der ersten Ökonomen den historischen Konjunktureinbruch in Deutschland 2009 prognostizierte. Heute ist der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank gestorben. Norbert Walter wurde 67 Jahre alt.

Norbert Walter.
Norbert Walter.(Foto: picture alliance / dpa)

Der langjährige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb der 67-Jährige an diesem Freitag.

Bekannt wurde Norbert Walter vor allem durch seine Konjunkturprognosen, die vor allem in den letzten Jahren recht düster ausfielen. Das brachte ihm viel Kritik ein. Als "verfolgten Schwarzseher" bezeichnete ihn die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Doch seine umstrittenste Prognose traf zu: Im Februar 2009 sagte er voraus, dass die deutsche Wirtschaft möglicherweise um mehr als fünf Prozent schrumpfen wird – tatsächlich sank das Bruttoinlandsprodukt um fünf Prozent.

Die Bundesregierung reagierte verärgert. Finanzminister Peer Steinbrück habe ihn zum Schweigen bringen wollen, sagte Walter später. Doch auch wenn seine Prognosen nicht immer zutrafen: Den Mund verbieten ließ sich Walter nicht. Das war schon beim Institut für Weltwirtschaft der Fall, wo Walter 1971 nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre eintrat und 1975 Leiter der Konjunkturabteilung wurde.

Zweimal habe er vor besonders harten wirtschaftlichen Einbrüchen gewarnt, erinnerte sich Walter später. Das habe ihm viel Ärger eingebracht - der damalige Präsident Herbert Giersch habe vor der gesamten Belegschaft gedroht, ihn zu entlassen, falls er falsch liege.

Das Gesicht der Deutschen Bank

Falsch lag Walter nicht, entlassen wurde er auch nicht. Stattdessen wechselte er 1987 in die volkswirtschaftliche Abteilung der Deutschen Bank, deren Leitung er 1990 übernahm. Walter wurde neben den Vorstandssprechern Rolf Breuer und Josef Ackermann das Gesicht des deutschen Branchenführers. Er war gern gesehener Gast in Talkshows, sein Name tauchte in den Wirtschaftsnachrichten prominent auf. Ende 2009 verließ er mit 65 Jahren aus Altersgründen die Deutsche Bank.

Zuletzt war Norbert Walter regelmäßig als Finanzexperte bei n-tv zu sehen. In seinen wöchentlichen Interviews im Rahmen von "Walters Woche" sprach er dabei vor allem über die europäische Schuldenkrise. Auch wenn er die Zukunft dabei nicht strahlend sah – gewollt pessimistische Prognosen waren von ihm nicht zu hören. "Ich gehe davon aus, dass die Europäer um fünf nach zwölf das Richtige tun", gab er sich bei aller Skepsis zuversichtlich.

Quelle: n-tv.de

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