Wirtschaft

Magna mit Motorsäge?Opel auf dem Arbeitstisch

11.09.2009, 06:59 Uhr

Um den Verkauf von Opel unter Dach und Fach zu bringen, wollen die Verhandlungspartner bereits in der kommenden Woche zusammenkommen. Die IG Metall erwartet harte Verhandlungen mit dem designierten Opel-Käufer Magna.

Opel
Jetzt geht es um die Details. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Magna ist ein harter, kantiger Arbeitgeber angelsächsischer Prägung", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksvorsitzende und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild. "Die holen jetzt sofort die Motorsäge raus." Dabei geht es um die angestrebten Sanierungsbeiträge der Beschäftigten des Autobauers. Die IG Metall will die eingeforderten Beiträge nicht ohne Gegenleistung bringen.

Harter Weg für Opel

Magna-Eigentümer Frank Stronach dämpfte in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Österreich" allzu große Euphorie: "Opel hat schon lange keinen Profit mehr gemacht und die Wirtschaft ist zurzeit auch nicht so blühend. Es wird für alle Beteiligten ein harter Weg werden. Wir sind sicher erst am Anfang." Russland werde in dem Geschäft eine ganz große Rolle spielen.

Der Autoexperte Wolfgang Meinig hält sogar eine Insolvenz von Opel in den nächsten Jahren für möglich. Meinig sagte im Bayerischen Rundfunk: "Das Thema Insolvenz wird uns in den nächsten Jahren jeden Tag, jede Woche begleiten." Ob Opel weiter bestehen wird, hänge davon ab, ob der Autobauer Fahrzeuge entwickele, die angenommen werden. Außerdem sei Opel nach wie vor von General Motors abhängig, bislang habe GM selbst keine guten Ideen gehabt.

"Unsere Untergrenze ist der Flächentarifvertrag. Wir machen uns schließlich nicht selber Konkurrenz", betonte IG-Metall-Chef Schild. Man könne möglicherweise zeitweise vom Flächentarif abweichen. Von Beginn an klar sei gewesen, dass es bei "New Opel" keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Werks- und Standortschließungen geben dürfe. Es sei auch keineswegs ausgemachte Sache, dass ein Arbeitnehmerbeitrag von 1,2 Mrd. Euro tatsächlich nur einem Unternehmensanteil von zehn Prozent entspreche. Die Belegschaft erwarte für ihre Beiträge eine Verbesserung der Mitbestimmung bei Opel und fordere eine zukunftsorientierte Unternehmensstrategie, sagte der Gewerkschafter.

Keine weiteren Staatshilfen

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rechnet noch mit viel Arbeit, nannte den Verkauf aber ein "erfreuliches Signal". Es biete die Chance, dass sich das Unternehmen restrukturiert und auf den Märkten wieder als Wettbewerber auftreten kann, sagte Guttenberg. Weitere Staatshilfen für die Übernahme von Opel schloss der Minister aus. "Über die bereits vereinbarten Mittel hinaus gibt es keine weiteren Zusagen", sagte Guttenberg. Das Risiko für den deutschen Staat sei zudem dadurch begrenzt, da sich die europäischen Länder mit Opel-Standorten an den Hilfen beteiligen sollen. Signale dafür gebe es bereits, sagte Guttenberg im ZDF.

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Von Wirtschaftsminister Guttenberg ist keine unbegrenzte Hilfe zu erwarten. (Foto: AP)

Die Bundesregierung sicherte die Existenz von Opel bereits mit einem Kredit über 1,5 Mrd. Euro und ist bereit, dem Rüsselsheimer Konzern im Falle einer Übernahme weitere drei Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen. Guttenberg forderte, nun müsste besonders das Management die richtigen Grundsatzentscheidungen treffen, damit der Konzern die Gelder irgendwann wieder zurückzahlen kann.

Guttenberg sieht keinen Eklat

Mit Blick auf die ablehnende Haltung der von Deutschland entsandten Vertreter in die Opel-Treuhandgesellschaft sagte der Minister, es sei nichts Ehrenrühriges, wenn jemand einen unabhängigen Kopf habe und sich eine unabhängige Meinung bilde. Ex-Continental-Chef Manfred Wennemer hatte gegen den Verkauf an Magna gestimmt und von einer nicht tragfähigen Lösung gesprochen. Der für die Länder entsandte FDP-Politiker Dirk Pfeil enthielt sich der Stimme und erklärte, er hätte einen Verkauf an den Finanzinvestor RHJ bevorzugt.

Die beiden Vertreter seien nicht mit Blick auf ein Staatsunternehmen berufen worden, sondern mit Blick auf ein Unternehmen, das sich in der freien Wirtschaft bewege, sagte Guttenberg. Die Treuhandgesellschaft, bei der die Mehrheit der Opel-Anteile bis zur Unterzeichnung der Verträge mit dem Opel-Konsortium vorerst weiter liegt, billigte die Entscheidung letztlich nur dank der Zustimmung der zwei GM-Vertreter.

Nach monatelangem Bieterwettstreit hatte General Motors zugestimmt, den deutschen Autobauer mehrheitlich an den Zulieferer Magna und russische Investoren zu verkaufen. GM verkauft an den österreichisch-kanadischen Zulieferer und dessen russischen Partner Sberbank 55 Prozent an Opel und behält 35 Prozent. Zehn Prozent soll die Belegschaft übernehmen. Magna und die Sberbank teilen sich die 55 Prozent je zur Hälfte.

Quelle: sla/rts/dpa