Wirtschaft

In England keimt HoffnungOptimismus wächst

09.08.2009, 12:32 Uhr

Auf der britischen Insel wächst die Hoffnung auf ein Ende der Krise. Die Verbraucher sind weniger knausrig und die Investmentbanker haben wieder alle Hände voll zu tun. Doch ganz so sicher ist der Aufschwung noch nicht. Experten warnen vor verführter Freude.

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Bei Tesco greifen die Kunden wieder zu hochwertigen Produkten. (Foto: REUTERS)

Was hat edler Räucherschinken aus der englischen Grafschaft Wiltshire mit der Finanzkrise zu tun? Viel - zumindest in Großbritannien. Dort wird wieder der teurere unter den Schinken gekauft, vermeldete unlängst der Supermarktriese Tesco. "Das liegt auch daran, dass die Menschen heute mehr an die Erholung der Wirtschaft glauben als noch vor sechs Monaten", sagte Mike Watkins vom Marktforscher Nielsen. Der Satz hat viel zu bedeuten: Er zeigt, dass auf der Insel die Hoffnung wächst, dass das Schlimmste der Krise ausgestanden ist. Doch Experten warnen vor zu viel Euphorie.

Nach fast zwei Jahren düsterer Botschaften, nach Bankenpleiten, Rettungsaktionen und Entlassungswellen scheint es, als lechzte das Land nach froher Kunde - ob sie gerechtfertigt sei, oder nicht. "Werden wir Zeugen eines Sonnenaufgangs nach einer langen dunklen Nacht?", fragte kürzlich hoffnungsfroh die Zeitung "Independent".

Anlass waren Zahlen, die die großen britischen Banken vergangene Woche vorgelegt haben. Sowohl Barclays und HSBC als auch die halbverstaatlichte Lloyds Bankengruppe deuteten an, dass das Tal der Krise möglicherweise durchschritten sei. Zwar lasten immer noch Milliardenabschreibungen auf Banken. Doch die Börse reagierte mit einem regelrechten Kursfeuerwerk auf die positiveren Ausblicke. Selbst das Wort "Optimismus" - lange scheinbar verbannt aus dem Sprachgebrauch - erlebte wieder Einzug in die Medien.

Investmentbanker hoffen wieder auf Geldsegen

Auch die Investmentbanker in der Londoner City bereiten sich wieder auf dicke Boni vor. Trug doch vor allem das Investmentbanking - zumindest bei den Banken Barclays und HSBC, die keine Staatshilfe gebraucht hatten - zu den Gewinnen entscheidend mit bei. "Wir haben wieder richtig viel zu tun. Ich gehe jetzt wieder erst um zwei Uhr nachts nach Hause, nicht schon um fünf Uhr nachmittags", sagte ein Banker bei Barclays Capital, der lieber anonym bleiben wollte.

Auch bei der Krisenbank Royal Bank of Scotland (RBS) sorgte die Tatsache, dass vor Steuern wieder ein Gewinn erreicht wurde, fast für mehr Aufsehen, als der Netto-Verlust von immer noch einer Milliarde Pfund (rund 1,2 Mrd Euro). Nachdem die größtenteils verstaatlichte Bank vergangenes Jahr einen Rekordverlust verkündet hatte, ist das fast eine Wiederauferstehung.

Notenbank flutet Märkte erneut mit Geld

RBS-Chef Stephen Hester verpasste der Stimmung jedoch schnell einen Dämpfer. "Manchmal sind die ersten Sprösslinge die, die unter Frost leiden und sterben." Auch die Entscheidung der englischen Notenbank, weitere 50 Milliarden Pfund in die Wirtschaft zu pumpen, zeigte, dass die Krise noch lange nicht vorbei ist. Die Rezession sei "tiefer, als ursprünglich geglaubt", hieß es. Hinzu kommt: Unternehmen und Häuslebauer klagen immer noch über die zögerliche Kreditvergabe der Banken, und der Stellenabbau ist bei vielen Unternehmen noch nicht abgeschlossen.

Doch eine der wichtigsten Botschaften ist, dass sich der Immobilienmarkt zu stabilisieren scheint - der Markt, durch dessen Zusammenbruch die weltweite Krise ausgelöst wurde. So teilte die Hypothekenbank Halifax mit, dass die Preise in den drei Monaten bis Juli um fast ein Prozent gestiegen sind - der erste Anstieg seit Oktober 2007. Zwar erwartet das Institut für das gesamte Jahr immer noch, dass die Preise um 7 Prozent fallen - doch ursprünglich lag die Prognose bei 15 Prozent. Das wichtige Signal für viele Briten scheint: Zumindest geht es nicht mehr weiter ganz so steil nach unten.

Quelle: mme/dpa