Donnerstag, 24. Juni 2010
Streiks bei Lufthansa vom Tisch: Nullrunde für Piloten
Eine der langwierigsten Tarifrunden bei der Deutschen Lufthansa ist beendet. Reisende können aufatmen - denn neuerliche Streiks der Piloten mitten in der Feriensaison sind nun vom Tisch.Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich nach monatelangem Ringen auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Beide Seiten akzeptierten die Schlichtungsempfehlung des früheren Hamburger Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi. Reisende müssen sich damit nicht mehr fürchten, dass neuerliche Pilotenstreiks mitten in der Feriensaison den Verkehr der Lufthansa lahmlegen.
Der Kompromiss sieht eine Nullrunde bis einschließlich März 2011 vor. Zudem sind nach Angaben der Gewerkschaft die "Interessen der Piloten hinsichtlich der Vermeidung von Arbeitsplatz-Auslagerungen ins Ausland" berücksichtigt worden. Mit dem Ergebnis ist aus Sicht der Piloten die Balance der Interessen im Unternehmen als Grundlage für die Sicherung deutscher Arbeitsplätze wiederhergestellt worden. Sie hatten befürchtet, dass billigere Lufthansa- Töchter ihnen im eigenen Haus zunehmend Konkurrenz machen könnten.
Monatelanger Tarifstreit
Im Februar war der Tarifstreit eskaliert. Damals führte ein eintägiger Pilotenstreik zu massiven Behinderungen im Luftverkehr. Eigentlich hatten die Piloten damals sogar für vier Tage streiken wollen. Erst vor dem Arbeitsgericht einigte man sich auf neue Gespräche. Diese verliefen allerdings ohne Ergebnis und im April drohte die Gewerkschaft erneut mit vier Tage Streik. Der konnte erst verhindert werden, nachdem sich beide Seiten auf die Einsetzung des Schlichters einigten. Insgesamt handelte es sich um eine der längsten Tarifauseinandersetzungen in der Geschichte der Lufthansa.
Die Gewerkschaft war mit einer Forderung nach mehr Geld für die rund 4500 Piloten und mehr Einfluss auf die Konzernpolitik in die Verhandlungen gegangen. Die Lufthansa wollte hingegen einen finanziellen Beitrag auch der Piloten zum aktuellen Sparprogramm und verbat sich eine Einmischung in das Management.
Von der Einigung sind neben dem Cockpitpersonal der Deutschen Lufthansa AG auch die Piloten der Lufthansa Cargo AG und des Billigfliegers Germanwings betroffen. Die Verhandlungskommission der Vereinigung Cockpit nahm den Kompromiss einstimmig an, allerdings ist noch eine Urabstimmung notwendig, die aber als Formsache gilt.
dpa
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