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Der deutsche Pkw-Markt rutscht ins Jahr 2012.
Der deutsche Pkw-Markt rutscht ins Jahr 2012.(Foto: picture alliance / dpa)

"Geschönte" Verkaufszahlen: Pkw-Markt schlittert in 2012

Während in den USA deutsche Autos gefragt sind wie selten, kommt der Heimatmarkt von VW, BMW und Co. nicht in Fahrt. Zwar sind die reinen Zahlen laut Kraftfahrt-Bundesamt nicht schlecht - aber geschönt: Viele Händler lassen Neuwagen vorübergehend auf sich selbst zu und machen sie dann später zu Gebrauchtwagen, mit den entsprechenden Preisnachlässen.

Die Verbraucher in Deutschland haben zu Jahresbeginn einen großen Bogen um die Autohändler gemacht. Mit gut 210.000 Einheiten kamen nach Angaben des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Januar zwar fast soviele Neuwagen auf die Straßen wie vor Jahresfrist. Das lag Experten zufolge aber vor allem an den Herstellern und Händlern selbst, die neue Autos vorübergehend auf sich selbst zuließen, um sie dann später als junge Gebrauchtwagen oder Tageszulassungen mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen.

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Annähernd zwei Drittel der Neuwagen waren laut KBA im Januar gewerbliche Zulassungen. Darunter fällt auch das Flottengeschäft mit großen Autovermietern und Firmenwagen. Der Importeursverband VDIK erklärte, Privatleute hätten sich im Januar beim Autokauf zurückgehalten. Das Center Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen geht davon aus, dass etwa ein Viertel der Neuanmeldungen dem Flottengeschäft zugerechnet werden kann. Weitere bis zu zehn Prozent nehmen in der Regel die Autovermieter ab. "Der Rest ist, auf Deutsch gesagt, getürkt", sagte Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer.

Dagegen sprach der VDIK von einer Stabilisierung der Nachfrage. "Nach dem guten Automobiljahr 2011 freue ich mich über die Steigerung der gewerblichen Nachfrage im Januar und bin sicher, dass diese in den nächsten Monaten noch bleiben wird", erklärte Verbandspräsident Volker Lange.

Nutzfahrzeuge gefragt

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Während die privaten Autokäufe zu Jahresanfang auf der Stelle traten, übertrafen die Neuzulassungen bei den Nutzfahrzeugen die hohe Nachfrage vor Jahresfrist. Insgesamt seien mehr als 23.000 Lastwagen, Busse und Sattelschlepper neu registriert worden, drei Prozent mehr als im Vorjahr, teilte der VDIK mit. Gefragt waren den Angaben zufolge vor allem Transporter und Stadtlieferwagen.

Vor einem Jahr war der Pkw-Markt mit einem Zulassungsplus von 16 Prozent gestartet. Bis zum Jahresende wurden knapp 3,2 Millionen Wagen neu registriert, neun Prozent mehr als 2010. Die Autobauer machten hierzulande also glänzende Geschäfte, während die Automärkte in Südeuropa zum Teil stark unter den Folgen der Schuldenkrise litten.

Experten erwarten, dass die Pkw-Nachfrage in Europa in diesem Jahr schrumpft. Allerdings nimmt die Bedeutung Westeuropas für die Hersteller ohnehin ab, da der Markt als gesättigt gilt. Viele Menschen haben bereits mindestens ein Auto. Die Musik spielt in Schwellenländern wie China, Brasilien und Indien. Daneben hoffen die Hersteller auf eine Erholung in den USA.

US-Absatz kann sich sehen lassen

In Amerika bescherten die Verbraucher den Autohändlern überraschend gute Geschäfte im traditionell schwachen Januar. Triebfeder auf dem nach China zweitgrößten Pkw-Markt war vor allem der hohe Ersatzbedarf: das Durchschnittsalter der Autos auf amerikanischen Straßen liegt bei etwa elf Jahren. Um mobil zu bleiben, müssen viele Amerikaner ihren alten Wagen ersetzen. Davon profitierte im Januar Chrysler. Die von Fiat  gesteuerte US-Marke verzeichnete einen Anstieg zu Jahresbeginn um 44 Prozent.

Noch stärker legte VW zu. Die Neuzulassungen der Wolfsburger schnellten um 48 Prozent hoch. Getrieben wurde die Nachfrage von der für amerikanische Käufer entwickelten Version des VW-Passat, der seit kurzem in den USA vom Band rollt.

Das Nachsehen hatte Platzhirsch General Motors. Die Auslieferungen der Opel-Mutter sanken im Januar um sechs Prozent. Vor einem Jahr hatte GM dank hoher Rabatte zu Jahresbeginn bei den Neuzulassungen noch einen Kavaliersstart hingelegt. Seitdem halten sich sowohl der Konzern aus Detroit als auch die anderen Hersteller mit Preisabschlägen zurück. "Die Zeiten, in denen man dem Marktanteil blind hinterher gejagt ist, gehören der Vergangenheit an", sagte Jesse Toprak, Analyst der Autoplattform TrueCar.com. "Die meisten Hersteller konzentrieren sich nun auf das, was wirklich zählt - die Profitabilität."

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Quelle: n-tv.de

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