Insolvenzantrag wird vorbereitetPrimacom ist pleite
Primacom ist finanziell am Ende. Der Kabelnetzbetreiber wird wohl in Kürze einen Insolvenzantrag einreichen. Die Kleinaktionäre, die rund zehn Prozent an der Primacom AG halten, gehen mit der Insolvenz voraussichtlich leer aus.
Für den Kabelnetzbetreiber Primacom führt nichts mehr an einem Insolvenzantrag vorbei. Ein Sprecher sagte, der Antrag, der sich seit Wochen abgezeichnet hatte, werde voraussichtlich am Dienstag eingereicht. Die rund eine Million Kabelkunden vor allem in Ostdeutschland werden aber weiter telefonieren und fernsehen können: Die operative GmbH sei finanziell von der AG unabhängig, sagte der Sprecher.
Auch die Gläubiger der mit rund 340 Millionen Euro verschuldeten Primacom wollen die operativ tätige GmbH erhalten, mit der die Kreditgeber ihre Darlehen an die AG abgesichert haben. Sie soll Anfang Juli ohnehin zugunsten der Kreditgeber versteigert werden.
Die Kleinaktionäre, die rund zehn Prozent an der Primacom AG halten, gehen mit der Insolvenz voraussichtlich leer aus. Die Aktie fiel kräftig. Als Interessenten am Geschäft von Primacom gelten neben dem Branchenriesen Kabel Deutschland Finanzinvestoren und die Ex-Schwesterfirma Tele Columbus.
Erneute Schlappe für Escaline
Der Insolvenzantrag ist der vorläufige Schlusspunkt unter ein monatelanges Tauziehen um Primacom. Der Haupteigentümer, der Finanzinvestor Escaline, hatte nach Angaben des Unternehmens einen Kompromissvorschlag vorgelegt, den die Kreditgeber aber ablehnten. Gläubigerkreisen zufolge sollte JPMorgan 40 Millionen Euro Eigenkapital zuschießen und die Gläubiger zum Teil auf ihre Forderungen verzichten. Danach habe Escaline die Verhandlungen abgebrochen.
Damit steht Escaline vor dem Verlust auch seiner zweiten Kabel-Beteiligung in Deutschland. Tele Columbus hatten die Kreditgeber schon Ende 2009 dem Zugriff von Escaline entzogen. Der Kabelbetreiber steht zum Verkauf, der Erlös soll den Kreditgebern zugute kommen.
Bei Primacom sei es kurzfristig um zwei Millionen Euro gegangen, die die AG nicht mehr habe zahlen können, hieß es in Kreisen der Gläubiger. Insgesamt hatten sie - allen voran die Bank ING und die Finanzinvestoren Tenenbaum, Alcentra und Avenue Capital - 29,2 Millionen Euro fällig gestellt und damit auf eine rasche Lösung gedrängt.
Sie fürchten nun, dass die Insolvenz das Ringen um Primacom verlängert. Ein Sprecher der Gläubiger sagte: "Wir haben das Management eingeladen, sich mit uns zu treffen, um die Fortführung der GmbH zu besprechen." Escaline hatte vor zwei Wochen den auf Sanierungen spezialisierten Investmentbanker Sebastian Freitag in den Vorstand von Primacom berufen.