Montag, 05. Juli 2010
Berggruen erhält Abfuhr: Regierung bei Karstadt taub
Wirtschaftsminister Brüderle will den Staat aus den festgefahrenen Verhandlungen um die Karstadt-Rettung heraushalten. Berggruen hatte mit Brüderle telefoniert und ausgelotet, wie die Politik Einfluss nehmen könnte.Die Bundesregierung sieht sich nicht in einer Vermittlerrolle zwischen dem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und den Vermietern der Warenhauskette. "Das ist keine Sache des Staates", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin.
Sie bestätigte ein Telefonat zwischen Berggruen und Minister Rainer Brüderle, betonte aber, Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet müssten die offenen Fragen klären. "Staatshilfe kommt nicht in Betracht", fügte die Sprecherin hinzu.
Berggruen hatte dem "Handelsblatt" gesagt, er wolle in den stockenden Verhandlungen die Politik um Hilfe bitten, damit sie als Vermittler auf die Verantwortlichen einwirke. Bevor der Kaufvertrag mit Berggruen rechtskräftig wird, muss noch eine endgültige Einigung über eine Reduzierung der Mieten für die Karstadt-Warenhäuser erzielt werden.
"Das Pokerspiel muss aufhören"
Zwischen Berggruen und Highstreet gibt es zwar seit zehn Tagen eine grundsätzliche Einigung über die Mietkonditionen - zustimmen müssen aber noch die Gläubiger des Highstreet-Konsortiums. Berggruen hatte Highstreet ein Ultimatum bis Dienstag um Mitternacht gestellt, diese Gläubiger zu einer Sondersitzung einzuladen. "Das Pokerspiel muss aufhören", forderte Berggruen im "Handelsblatt".
Berggruen hatte Anfang Juni den Kaufvertrag für die insolvente Warenhauskette unter der Bedingung unterschrieben, dass die Mieten reduziert oder nicht so stark wie vereinbart angehoben werden. Dem Berggruen-Verhandlungspartner Highstreet gehören 86 der bundesweit 120 Karstadt-Häuser. Hinter dem Highstreet-Konglomerat stehen unter anderem die US-Bank Goldman Sachs und die Deutsche Bank.
rts/dpa/DJ
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