Wirtschaft

Berlin und die Konkurrenz stehen bereit Rettungsleinen für Schlecker

05.03.2012, 14:01 Uhr
Schlecker-Landen-2
Für einen Teil der Mitarbeiter wird die Insolvenz wohl glimpflich ausgehen, bescheinigen Experten. (Foto: REUTERS)

Die insolvente Drogeriemarktkette ist ein Fass ohne Boden: Mittlerweile werden auch Staatshilfen für einen Neustart des maroden Unternehmens erwogen. Geld für eine Transfergesellschaft für die von der Entlassung bedrohten Mitarbeiter wird ebenfalls gesucht. Wenigstens hat Rossmann noch Interesse an einem Teil der Filialen und Mitarbeiter.

Bei Schlecker brennt es und die Feuerwehr versucht Löschmanöver gleich an mehreren Fronten: Während händeringend nach Perspektiven für die entlassenen Mitarbeiter gesucht werden, rückt die Frage nach den Überlebenschancen des maroden Restunternehmens in den Fokus. Um der insolventen Drogeriemarktkette eine zweite Chance zu geben, stellt der Finanz- und Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nils Schmid, nun auch solche Hilfen n Aussicht.

Schlecker-Zentrale
Der Gründerclan hat sich tief reingeritten. Jetzt hat der Insolvenzverwalter das Kommando. (Foto: REUTERS)

Das Land könne Schlecker bei einem Neustart mit Kreditausfallbürgschaften helfen, "wenn ein tragfähiges Konzept da ist", sagte Landeswirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) dem "Handelsblatt". Ein solches Konzept müsse ein möglicher Investor vorlegen, der an Schlecker interessiert sei. Schlecker hat seinen Firmensitz in Baden-Württemberg.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sucht einem Bericht des Magazins "Spiegel" zufolge nach einem Geldgeber, der die verbleibenden Schlecker-Märkte weiterführt und modernisiert. Geiwitz hatte Mitte vergangener Woche angekündigt, dass bis zu 11.750 der 25.000 Arbeitsplätze bei Anton Schlecker und Schlecker XL wegfallen sollen.

Auch andere Bundesländer sollten sich je nach Anzahl der Schlecker-Arbeitsplätze in ihrem Gebiet an etwaigen staatlichen Hilfen beteiligen, sagte Schmid. Staatliche Unterstützung für Schlecker sei gerechtfertigt, da es um die "Sicherstellung einer flächendeckenden Nahversorgung" gehe.

Konkurrenz wittert Wettbewerbsnachteil

Die Konkurrenz reagierte mit Kritik auf die Ankündigungen möglicher staatlichen Absicherungen von Krediten für Schlecker. "Es gibt kein Recht auf Nahversorgung", zitierte das "Handelsblatt" den Vertreter eines Wettbewerbers. "Wenn, dann hätten alle Drogeriemarktketten Anspruch auf Subventionen." Staatliche Ausfallbürgschaften würden die Chancen von Schlecker auf neue Kredite erhöhen. Womöglich wirken sich solche Zusagen auch günstig auf das Zinsniveau aus. Schlecker hatte kürzlich seine Zahlungsunfähigkeit bekanntgegeben. Das Unternehmen hatte über Jahre Verluste angehäuft. Von aktuell 5410 Filialen sollen noch 3000 übrig bleiben.

Schmid sagte, der Staat müsse auch die Folgen der Pleite für die Mitarbeiter Schleckers - zumeist Frauen - abfedern. "Der Staat ist gefordert, die Folgen abzumildern." Möglicherweise sei es hierzu nötig, "neue Wege zu gehen". Eventuell müsse das Insolvenzgeld für die Beschäftigten verlängert werden, bis ein Zukunftskonzept für Schlecker stehe. Auch EU-Gelder könnten eingesetzt werden. Für die von Entlassung betroffenen Teile der Belegschaft müssten Bund und Bundesagentur für Arbeit die Finanzierung einer Beschäftigungsgesellschaft auf die Beine stellen.

Geld für Auffanggesellschaft gesucht

Mit Hochdruck werden derzeit auch Überbrückungskredite für eine Transfergesellschaft zur Qualifikation und Vermittlung entlassener Beschäftigter gesucht. Für die fast 12.000 Angestellten, die Schlecker im März entlassen müsse, seien rund 70 Mio. Euro nötig, berichtete das Magazin "Spiegel". Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) versprach Unterstützung.

Den entlassenen Schlecker-Mitarbeitern werden von Experten . Handelsexperten sehen sogar in der schlechten Unternehmenskultur einen positiven Effekt, die die Mitarbeiter auf besondere Weise qualifiziert. Neben fachlichen Stärken, seien diese Mitarbeiter auf bestimmte Weise krisenerprobt und hätten Stressresistenz bewiesen, ergab eine Umfrage der "WamS".

"Gute Perspektiven" auf dem Arbeitsmarkt

Auch die Unternehmensberatung KPMG sieht gute Chancen. Ein Filialleiter von Schlecker verfüge über viele "Kenntnisse und Erfahrung in der Organisation und im Personalhandling, die auch bei anderen Arbeitgebern gefragt sind". Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bezifferte die Zahl der offenen Stellen für Einzelhandelskaufleute auf 20.000. Den Angaben vom Handelsverband Deutschland (HDE) zufolge wurden von Mitte 2010 bis Juni 2011 60.000 sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen. Ein Großteil der neuen Arbeitsplätze entfiel auf die konkurrierenden Drogeriemärkte Rossmann und dm.

Schlecker-Rivale Rossmann hält sein Interesse an der Übernahme von bis zu 80 Schlecker-Filialen aufrecht. Zwar seien "die meisten Läden" Schleckers für Rossmann "nicht interessant", sagte Firmengründer Dirk Roßmann dem "Tagesspiegel". In der Regel seien die Ladengeschäfte zu klein oder in der Nähe bestehender Filialen von Rossmann sowie der Wettbewerber dm und Müller. Ein Teil der Schlecker-Filialen sei aber interessant. "Wir haben uns alle Läden angesehen und sind zu dem Schluss gekommen, dass maximal 50 bis 80 Geschäfte für uns interessant sind", sagte Roßmann.

Quelle: ntv.de, ddi/AFP/dpa