Wirtschaft

EU will schärfere RegelnRohstoff-Zocker im Visier

20.09.2010, 19:55 Uhr

Die EU knöpft sich weitere Spekulanten vor: Diesmal nimmt sie die Rohstoffmärkte ins Visier. Mehr Transparenz und weniger Preistreiberei sind das Ziel des Binnenmarktkommissars Barnier.

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Der Preis für Getreide ist in den vergangenen Wochen teilweise drastisch gestiegen. Auch zum Teil das Werk von Spekulanten. (Foto: picture alliance / dpa)

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den Handel mit Rohstoff-Derivaten stärker unter Aufsicht stellen. Auf Rohstoffen basierende Finanzprodukte würden bereits von den kürzlich vorgestellten neuen Regeln für Derivatemärkte erfasst, erklärte Barnier. "Wir sind bereit, weiter zu gehen." Der französische EU-Kommissar nannte mehrere Hebel, über die der Handel mit Rohstoff-Derivaten durchschaubar und besser kontrollierbar werden soll für die Aufsicht.

Die geplante Revision der EU-Finanzmarkt-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive - Mifid) werde auch mehr Transparenz für dieses Marktsegment vorsehen, erklärte Barnier. "Die Revision von Mifid ist ein Schlüsselelement einer ehrgeizigen Reform des Rohstoffmarktes", sagte Barnier. Auch die Überarbeitung der Marktmissbrauchs-Richtlinie biete dafür einen Ansatzpunkt. Schließlich könne auch die geplante neue europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA Einfluss nehmen, indem sie EU-weite Standards für die Aufsicht von Rohstoff-Derivaten erarbeiten könne.

Limits gegen Preisaufschläge

Frankreich, das als größter Agrarproduzent Europas auch Zentrum des Marktes für Agrarfutures ist, hatte vor Kurzem strengere Regeln für Rohstoffderivate gefordert. EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos sagte auf der Konferenz, in Betracht kämen Limits für Handelspositionen. Die jüngsten Preisausschläge am Getreidemarkt seien unverhältnismäßig und nicht nur mit fundamentalen Entwicklungen wie der Dürre in Russland zu erklären. Die Preise für Weizen-, Mais- und Rapsfutures liegen derzeit auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

Nach der vergangene Woche vorgeschlagenen Verordnung zu Derivaten sollen die bisher weitgehend unbeaufsichtigten bilateralen Geschäfte künftig über einen Mittler abgewickelt werden, um sie sicherer zu machen. Mit der Änderung der Finanzmarkt-Richtlinie Mifid soll für Derivate eine Pflicht zum Börsenhandel eingeführt werden. Dies hatten die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) im vergangenen Jahr als eine Lehre aus der Finanzkrise beschlossen.

Quelle: rts/DJ