Neue Sonnen-FinsternisRote Zahlen bei Solarfirmen
Der erfolgsverwöhnten deutschen Solarbranche machen eine Nachfrageflaute, erschwerte Finanzierungsbedingungen und der teilweise immense Preisdruck schwer zu schaffen. Bei den meisten börsennotierten Solarunternehmen stehen Umsatzeinbußen von teilweise mehr als der Hälfte und tiefrote Zahlen zu Buche.
Auch die Aussichten für den Rest des Jahres werden wenig optimistisch beurteilt. Für 2010 mehren sich aber die Zeichen, dass sich die Lage bessern wird.
Die Branche leidet unter den Auswirkungen des boomenden Wachstums der Vorjahre. Die Kapazitäten sind ausgebaut worden, gleichzeitig hat sich neue und oft günstigere Konkurrenz - etwa aus China - etabliert. Mit der Bankenkrise sind größere Projekte zudem schwerer finanzierbar geworden. Dazu hat Spanien, das 2008 noch mit über 2 Gigawatt installierter Leistung der größte Markt weltweit war, für dieses Jahr für die nachfragestützenden Subventionen eine Obergrenze von 500 Megawatt festgelegt. Die in Folge gesunkenen Preise belasten die Ergebnisse.
Rot ist das neue Schwarz
Eines der Sorgenkinder in der Branche ist die Hamburger Conergy. Der Konzern konnte seinen Verlust im Jahresvergleich zwar eingrenzen, doch schwarze Zahlen finden sich in der Quartalsbilanz nur wenige. Die Einnahmen brachen um ein Drittel von 239 auf 140 Mio. Euro ein, das Betriebsergebnis (Ebit) stagnierte im negativen Bereich bei -15 Mio. Euro, nach Steuern reduzierte Conergy seinen Verlust von 77 auf 20 Mio. Euro.
Auf Neunmonatssicht brach der Umsatz um deutlich mehr als die Hälfte ein, sowohl unter als auch über dem Strich stehen tiefrote Zahlen zu Buche. Angesichts der anhaltend schwachen Nachfrage rechnet das Solarunternehmen für das Gesamtjahr mit deutlichen Umsatzrückgang und einem operativen Verlust vor Zinsen und Steuern im mittleren bis oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Zwar habe die Nachfrage im dritten Quartal angezogen, doch sei die Belebung zögerlicher als erwartet ausgefallen, räumte Vorstandsvorsitzender Dieter Ammer ein. Angesichts der Schwere der Branchenkrise und der extrem schwachen Marktentwicklung zeigte sich Ammer zufrieden mit dem bisherigen Jahresverlauf.
Schlimmer als befürchtet
Noch deutlich enttäuschender fiel das Ergebnis bei der sachsen-anhaltinischen Q-Cells aus. Zwischen Juli und September halbierten sich die Einnahmen auf 184 Mio. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach von 54 Mio. Euro Überschuss auf einen Verlust von 164 Mio. Euro ein. Unter dem Strich lag der Verlust des TecDax-Konzerns bei 257 Mio. Euro. Einen so starken Umsatzrückgang hatten Analysten nicht erwartet, auch beim Verlust übertraf Q-Cells die Befürchtungen des Markets.
Auf Gesamtjahressicht summieren sich die Verluste des Solarzellenherstellers unter dem Strich nun auf fast eine Mrd. Euro auf. Belastungsfaktoren waren nach Aussage von Finanzvorstand Nedim Cen in den vergangenen Monaten nicht nur das das schwierige Branchenumfeld sondern auch das umfassende Restrukturierungsprogramm sowie Abschreibungen auf Beteiligungen und wegen des massiven Preisverfalls bei Solarmodulen.
Versteckte Gewinnwarnung
Related contentDicke Wolken statt eitel Sonnenschein vermeldet auch Phoenix Solar. Der Anbieter verfehlte im dritten Quartal nicht nur die Markterwartungen deutlich, sondern musste zudem die Umsatzprognose für das Gesamtjahr kappen. Die Erlöse sanken um rund 40 Prozent auf 90 Mio. Euro, das Betriebsergebnis brach von 18 auf 3 Mio. Euro ein. Nach Steuern schrumpfte der Gewinn auf 1 Mio. Euro zusammen, nachdem im Vorjahr noch 13,7 Mio. Euro in der Bilanz standen. Analysten hatten ein Betriebsergebnis von 3,8 Mio. EUR und einen Nettogewinn von 2,7 Mio. Euro prognostiziert. Auf Neunmonatssicht steht nun ein operativer Verlust von mehr als 4 Mio. EUR zu Buche.
Im Gesamtjahr erwartet Phoenix Solar zwar weiter ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Allerdings senkte das Unternehmen die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 430 bis 480 Mio. Euro, nachdem zuvor Erlöse von 520 Mio. Euro in Aussicht gestellt worden waren. Am Markt wurde die gekappte Umsatzprognose als "versteckte Gewinnwarnung" gewertet.
Gewinne am Horizont
Wie auch andere Solarunternehmen, rechnet Phoenix Solar allerdings im kommenden Jahr mit einer Markterholung. Q-Cells-Vorstandsvorsitzender Anton Millner sprach vom "Übergangsjahr 2009", in dem sich die Branche an die neuen Gegebenheiten anzupassen habe. Für 2010 gebe es wieder ermutigende Signale. Ziel sei es, im kommenden Jahr profitabel zu wachsen und operativ schwarze Zahlen zu schreiben, fügte Finanzvorstand Nedim Cen hinzu.
Ähnlich schätzt auch Conergy-Vorstandschef Dieter Ammer die Lage ein: "Der Trend geht in die richtige Richtung." Schon für das Schlussquartal dieses Jahres zeigte sich der Manager zumindest vorsichtig optimistisch. Dank der zu erwartenden Markterholung und dem eingeleiteten Sparmaßnahmen, will Conergy im kommenden Jahr operativ wieder in die Gewinnzone zurückkehren.