Wirtschaft

Lkw-Dreierbündnis in Gefahr?: Scania zieht blank

Ein Rekordgewinn und ein verhaltener Ausblick: Damit sorgt Scania für Überraschung in der europäischen Lkw-Branche. Für Wirbel sorgen aber mögliche Verzögerungen bei einem Zusammengehen der VW-Tochter mit dem Konkurrenten MAN.

"Dreier"-Ehe in Gefahr?
"Dreier"-Ehe in Gefahr?(Foto: picture alliance / dpa)

Die VW-Tochter Scania hat sich mit einem Rekordgewinn im letzten Jahr stark für ein mögliches Zusammengehen mit ihrem deutschen Konkurrenten MAN platziert. Gleichzeitig aber mit dem Ausblick enttäuscht. Wie der schwedische Nutzfahrzeug-Hersteller mitteilte, kletterte der Nettogewinn gegenüber dem Krisenjahr 2009 von 1,1 Mrd. auf 9,1 Mrd. Kronen (rund 1 Mrd. Euro). Beim Umsatz legte Scania um 26 Prozent auf 78,2 Mrd. Kronen zu.

Scania setzt einen Großteil seiner Fahrzeuge in Europa sowie in Brasilien ab. Im vierten Quartal führten Lieferengpässe dazu, dass die Produktion, die hauptsächlich in Schweden erfolgt, in einigen Fabriken gestoppt werden musste.

Ausblick ernüchtert Lkw-Branche

Die Scania-Aktie fiel trotz des Rekord-Jahresgewinns nach der Bilanzveröffentlichung um 5,2 Prozent auf 134,60 Kronen. Dies galt als Reaktion auf die Ankündigung sinkender Gewinne durch den starken Kurs der Schwedenkrone sowie aktuelle Engpässe bei Zulieferungen. Die Auswirkungen des hohen heimischen Valutakurses werde man im ersten Quartal deutlich spüren, erklärte Östling.

Die bislang optimistische Lkw-Branche zeigte sich ernüchtert. Enttäuschend reagierte der Markt auch auf die Tatsache, dass noch keine Entscheidung über eine Fusion mit dem deutschen Rivalen MAN gefallen sei.

Scania, Porsche unter den Lkw-Bauern

Traditionell weist Scania von allen Nutzfahrzeug-Herstellern bei den schweren Maschinen die höchste Profitabilität auf. Allerdings laufen die Schweden wie auch MAN dem schwedischen Konkurrenten Volvo sowie Daimler bei der Größe und weltweiten Verbreitung hinterher. Das Zusammengehen mit MAN soll das ändern.

Konzernchef Leif Östling sagte zu Plänen für eine engere Kooperation mit MAN, es gebe seit Herbst 2010 Überlegungen, aber noch keine Entscheidungen. Zum Hintergrund meinte er: "Wir haben eine Anzahl offener Fragen in kommerzieller und juristischer Hinsicht." Das Düsseldorfer "Handelsblatt" hatte ebenfalls am Mittwoch berichtet, dass ein drohendes Kartellverfahren der EU gegen Scania und MAN sowie weitere Nutzfahrzeugkonzerne und Korruptions-Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft gegen MAN die Zusammenlegungs-Pläne bis auf weiteres blockieren.

Überkreuzverbindung  

Aus der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg wird seit längerem eine möglichst enge Verknüpfung beider Unternehmen gewünscht. Bei MAN ist VW mit 29,9 Prozent der Aktien größter Anteilseigner. Im Gegenzug ist MAN mit gut 17 Prozent der Stimmen an Scania beteiligt und damit zweitgrößter Aktionär bei den Schweden. Volkswagen hat hier mit knapp 71 Prozent die klare Mehrheit der Stimmrechte. 2007 war ein feindlicher Übernahmeversuch von MAN bei Scania gescheitert.

Volvo und Daimler kommen noch

Weiteren Aufschluss über die Situation auf Lkw-Markt wird Volvo am Freitag liefern. Marktführer Daimler kommt am 16. Februar mit Zahlen auf den Markt, während MAN am 1. März seinen Quartalsbericht veröffentlicht.

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Quelle: n-tv.de

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