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Bis zu 20 Prozent mehr: Schlecker teurer als Konkurrenz

Die Drogeriemarktkette Schlecker lässt sich ihr enges Filialnetz teuer bezahlen: Verglichen mit den drei großen Wettbewerbern dm, Rossmann und Müller verlangt Schlecker für sein reguläres Sortiment Apothekenpreise. Die Produkte kosten im Schnitt bis zu einem Fünftel mehr als beim billigsten Rivalen.

Viele Filialen kosten Geld.
Viele Filialen kosten Geld.(Foto: n-tv.de)

Die insolvente Drogeriekette Schlecker ist nach einer neuen Studie deutlich teurer als die Konkurrenz. Eine Analyse der GKL Marketing-Marktforschung für die "Wirtschaftswoche" ergab, dass Markenartikel in den Schlecker-Läden durchschnittlich 16 Prozent mehr kosten als in dm-Filialen. Im Vergleich zu besonders preisaggressiven dm-Läden betrage der Abstand sogar mehr als 20 Prozent. Rossmann sei je nach Filialtyp 8 bis 16 Prozent günstiger, Müller rund 14 Prozent preiswerter als Schlecker.

Für die Untersuchung haben die GKL-Experten Ende Januar die Preise von 1700 Markenartikeln verglichen. Aktionsangebote und Eigenmarken blieben außen vor. "Schlecker ist weiterhin der mit Abstand teuerste Anbieter", sagte GKL-Chef Ulrich Gallinat dem Blatt. Das Unternehmen aus Ehingen bei Ulm hatte im Januar angekündigt, im Laufe des ersten Halbjahrs die Preise bei Teilen des Sortiments auf das Niveau der Konkurrenten dm und Rossmann zu senken - teilweise auch darunter.

Betriebsrat will Staatshilfe

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Der Betriebsrat des Unternehmens hatte sich zuletzt für Staatshilfen zur Rettung der Drogeriekette ausgesprochen. "Das ist ein prinzipielles Anliegen, bei Opel und den Banken war das schließlich auch ein Thema", sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann.

Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass auf diese Weise Geschäfte in kleineren Orten in der Fläche erhalten werden können. "Wir wollen keinen Rettungsschirm für Schlecker oder so etwas", sagte Hoffmann, "aber auch die Politik muss doch darüber nachdenken, wie Oma und Opa auf dem Land ihre Haftcreme für die dritten Zähne kaufen können".

"Schlecker-Filialen sind für die Grundversorgung auf dem Land unverzichtbar", sagte die Rechtsanwältin und Beraterin des Betriebsrats, Elke Lill, dem "Manager Magazin online". Daher sei eine staatliche Förderung "nicht nur möglich, sondern unseres Erachtens auch erforderlich." Ein Unternehmenssprecher betonte: "Alles, was hilft, ist gern gesehen. Aber zunächst muss das Sanierungskonzept stehen, dann kann über die Finanzierung gesprochen werden."

Schlecker kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen und meldete Mitte Januar für die deutschen Filialen und die Tochter IhrPlatz Insolvenz an. In Deutschland hat die Kette mehr als 6000 Filialen mit rund 32.000 Mitarbeitern. Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass das Unternehmen weitergeführt werden kann.

Quelle: n-tv.de

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