Wirtschaft

Probleme nur aufgeschoben: Schulden-Bombe tickt in Moskau

Die knappen Kassen des einstigen Boom-Emirats Dubai rücken auch den milliardenschweren Schuldenberg russischer Unternehmen wieder ins Blickfeld. Ungeachtet der Sorge vor Zahlungsausfällen haben Russlands Konzerne seit April Auslandskredite im Gesamtumfang von rund 21 Mrd. US-Dollar aufgenommen.

(Foto: REUTERS)

Nach Ansicht von Bankern könnte Russland künftig Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Darlehen bekommen, wenn seine Unternehmen sich nicht um eine Umschuldung der Verbindlichkeiten kümmerten. Zudem erhöhe der Mangel an Regeln bei den Verhandlungen mit ausländischen Geldgebern das Ausfallrisiko.

Experten hatten schon vor einiger Zeit ein Schuldendesaster für Russland vorhergesagt. Doch die Devisen- und Rohstoffmärkte entwickelten sich seit Juni überraschend positiv für das Land. Die Ende November bekannt gewordenen Zahlungsschwierigkeiten der staatlichen Holding Dubai World signalisierten aber, dass die Probleme in Russland womöglich nur aufgeschoben sind. "Viele russische Firmen brauchen eine Umschuldung", sagte Roman Malowitskij, Schuldenexperte bei der Moskauer Anwaltskanzlei Egorov, Puginsky, Afanasiev & Partners. "Wir hoffen, dass der Markt sich weiter erholt, aber der Rubel ist wegen der Dubai-Krise um zwei Prozent gefallen. Niemand kann absehen, was passiert."

Die Schulden russischer Unternehmen im Ausland wuchsen in der Zeit von April bis Oktober auf 441,2 Mrd. Dollar von 420,7 Mrd. Dollar. Laut einer Prognose der Schweizer Bank UBS werden die Verpflichtungen 2010 weiter auf 500 Mrd. Dollar ansteigen. Nach Angaben der russischen Zentralbank müssen private Unternehmen und Banken im kommenden Jahr Schulden im Gesamtumfang von 153 Mrd. Dollar an ihre Gläubiger zurückzahlen.

Eine der wenigen russischen Firmen, die ihre Umschuldung in Angriff genommen haben, ist Rusal. Der weltgrößte Aluminium-Hersteller einigte sich mit über 70 internationalen Geldgebern auf eine Umstrukturierung seiner Auslandsschulden von 7,4 Mrd. Dollar durch den Verkauf von Aktien. Rusal will mit einem Börsengang in Paris und Hongkong rund zwei Milliarden Dollar einnehmen, um seinen Schuldenberg von insgesamt mehr als 16 Mrd. Dollar abzutragen.

Quelle: n-tv.de

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