Wirtschaft
Künftig eine rein finnische Angelegenheit - Nokia übernimmt das Gemeinschaftsunternehmen vollständig
Künftig eine rein finnische Angelegenheit - Nokia übernimmt das Gemeinschaftsunternehmen vollständig(Foto: picture alliance / dpa)

Netzwerktochter geht komplett an Nokia: Siemens wird NSN los

Nach jahrelangen Verhandlungen kann der Industriekonzern einen Schlussstrich ziehen: Konzernchef Löscher besiegelt den Verkauf der Problembeteiligung NSN. Nokia überweist einen Milliardenbetrag nach München. Den Rest müssen sich die Finnen sogar beim einstigen Partner borgen.

Der Technologiekonzern Siemens beendet endgültig seinen Ausflug ins Telefongeschäft. Nach mehreren erfolglosen Anläufen haben die Münchener nun doch noch einen Käufer für die Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) gefunden. Wie das Dax-Unternehmen mitteilte, übernimmt der bisherige Siemens-Partner Nokia NSN komplett. Der finnische Mobilfunkkonzern zahlt für den 50-prozentigen Siemens-Anteil einen abschließenden Verkaufspreis von 1,7 Milliarden Euro. Nach der Handysparte vor acht Jahren und den Festnetztelefonen vor fünf Jahren ist Siemens die ungeliebte Netzwerksparte nun endlich ganz los.

Konzern-Chef Peter Löscher kann damit einen Strich unter ein defizitäres Großprojekt ziehen, das sein Haus schon seit Jahren mit immer neuen Problemmeldungen beschäftigt. Mehrfach hatte Siemens versucht, sich von dem 2007 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen zu trennen. NSN ist selbst für Siemens keine kleine Baustelle: Im vergangenen Jahr kam die gemeinsame Siemens-Nokia-Netzwerktochter auf einen Umsatz von gut 13 Milliarden Euro.

6000 Mitarbeiter in Deutschland

"Mit dem Verkauf unseres NSN-Anteils treiben wir die Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran", sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser. NSN werde auch nach dem Verkauf stark in Deutschland vertreten sein, die NSN-Führungsmannschaft um NSN-Chef Rajeev Suri bleibe an Bord, teilten die beiden Partner übereinstimmend mit.

Der Deal mit den Finnen dürfte im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 für den Konzern zur Abwechslung einen Sondereffekt bringen, der sich positiv in der Bilanz niederschlagen wird. Dennoch: über Jahre war NSN ein Zuschussgeschäft. Seit 2012 fährt das Unternehmen einen strikten Sparkurs, baut tausende Stellen ab und schließt Standorte.

NSN beschäftigte Ende März noch gut 56.000 Mitarbeiter - davon 6000 in Deutschland. Das Unternehmen ist hierzulande in 17 Städten vertreten. Über die Zukunft dieser Standorte wurde vorerst nichts Konkretes mitgeteilt. Das Management hatte Anfang 2012 die Reißleine gezogen und harte Einschnitte angekündigt. Dazu gehört auch der Abbau von 17 000 der weltweit 74 000 Arbeitsplätze. Zuletzt war der Verlust zurückgegangen. Zudem hatten sich Geschäft und Umsatz stabilisiert.

Die Verkaufsgespräche hatten sich schwierig gestaltet. Wiederholt winkten angefragte Finanzinvestoren ab. Ein möglicher Grund: In den Augen vieler Experten bleibt NSN trotz seiner dritten Sanierungsrunde und des Abbaus Tausender Stellen ein Problemfall.

Halbe Milliarde als Darlehen

Nokia zahlt den Angaben zufolge bei Abschluss der Transaktion 1,2 Milliarden Euro in bar. Für die restlichen rund 500 Mio. Euro gewähre Siemens dem verlustträchtigen Handyhersteller ein besichertes einjähriges Darlehen, erklärten beide Unternehmen.

Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft noch nicht: Die Komplettübernahme von NSN durch Nokia muss noch von den Behörden genehmigt werden. Wenn alles klappt, soll der Verkauf im dritten Kalenderquartal zum Abschluss kommen.

An der Börse führten die Siemens-Papiere am Nachmittag die Dax-Gewinner an. Der Titel zog um 2,6 Prozent an. Der Deal sehe gut aus, sagte DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic. Siemens stutze sein Portfolio weiter zurecht - und das gebe der Aktie Auftrieb. Nokia kletterten an der Börse in Helsinki mit einem Kursplus von über zehn Prozent auf ein Fünf-Monats-Hoch von 3,14 Euro.

"Der Verkaufspreis liegt eher am unteren Ende der bisherigen Börsenspekulationen, die lagen bei bis zu 3,25 Milliarden Euro für den Anteil", sagt Volker Stoll von der LBBW. Bei Siemens stehe die Beteiligung aber lediglich mit 1,5 Milliarden Euro in den Büchern. "Der Preis liegt also im grünen Bereich, für Siemens entsteht ein Buchgewinn von 200 Millionen Euro. Bei strategischen Verkäufen muss man eben Kompromisse eingehen", sagt der Analyst.

Quelle: n-tv.de

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