Wirtschaft

Milliardenpläne deutscher BankenSo werden Kapitallöcher gestopft

20.01.2012, 14:10 Uhr
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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Bis Ende 2012 müssen sechs deutsche Banken ihren Kapitalbedarf deutlich aufstocken, um für künftige Krisen gerüstet zu sein. 6 Mrd. Euro werden laut Europäischer Bankenaufsicht dafür benötigt. So wollen es Deutsche Bank, Commerzbank und Co. schaffen.

Gut 13 Mrd. Euro Eigenkapital fehlten sechs deutschen Banken Ende September 2011, um die Vorgaben der Aufseher zu erfüllen - so hat es die europäische Bankenaufsicht EBA berechnet. Bis Ende Juni 2012 müssen die Institute die Lücken stopfen, um für künftige Krisen wetterfest zu sein. Die 31 Institute, bei denen die EBA einen Kapitalbedarf festgestellt hatte, mussten bereits den nationalen Aufsehern Pläne vorlegen, wie sie das schaffen wollen.

Folgendes planen die betroffenen deutschen Banken:

Commerzbank:

CommerzbankSie hat mit 5,3 Mrd. Euro das größte Loch zu stopfen. Vorstandschef Martin Blessing legte die Karten am Donnerstag auf den Tisch: Er will die Lücke aus eigener Kraft schließen und nicht zum dritten Mal den Staat um Hilfe bitten. Mit einem Maßnahmenpaket könne die Kernkapital-Decke bis Ende Juni sogar um 6,3 Mrd. aufgebessert werden, erklärte er. Knapp 60 Prozent des Lochs habe die Commerzbank schon bis Ende des vergangenen Jahres geschlossen, unter anderem durch einen Gewinn im vierten Quartal von 1,2 Mrd. Euro. Auf weitere 1,2 Mrd. hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva (RWA) seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Mrd. gesenkt habe. Eine Umwandlung der 750 Mio. Euro großen Stillen Einlage der Allianz ist vorerst nicht Teil des Plans, die Bank hält sich diese Option aber offen.

Deutsche Bank

Der Branchenprimus fühlt sich in einer komfortablen Lage. Ihm fehlten nach EBA-Berechnungen im Herbst noch 3,2 Mrd. Euro. Doch die Lücke sollte schon Ende 2011 gestopft gewesen sein, vor allem dank einbehaltenen Gewinnen. Die Bank ist zudem ohnehin dabei, mit Blick auf die ab 2013 geltende verschärfte Regulierung Risikopositionen (RWA) in der Bilanz abzubauen. Ob sie das Ziel schon erreicht hat, will die Deutsche Bank am 2. Februar sagen. Nach Ansicht von Experten könnte es trotzdem noch zu einer Dividende für die Anteilseigner reichen.

NordLB

Bei der NordLB machte die EBA eine Lücke von 2,5 Mrd. Euro aus, von der die Bank bereits im vergangenen Jahr 1,7 Mrd. Euro auftrieb: Das Land Niedersachsen gab 500 Mio. frisches Eigenkapital und übernahm damit die Mehrheit an der Landesbank. 1,1 Mrd. Euro brachte die Anpassung von

Stillen Einlagen und anderen Mischformen von Eigen- und Fremdkapital. Am Freitag kündigte die NordLB nun an, sich eine weitere Milliarde Euro Kapital zuzulegen: Der Großteil davon soll durch die Umwandlung weiterer Stiller Einlagen kommen. Zudem sollen Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe einbehalten und kleinere Beteiligungen verkauft werden.

Helaba

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat ihre Kapital-Lücke von 1,5 Milliarden Euro schon geschlossen. Die Eigentümer hatten Anfang November - nach dem Stichtag für den Stresstest, aber vor der Bekanntgabe der Ergebnisse - beschlossen, die Stille Einlage des Landes Hessen von 1,92 Mrd. Euro so anzupassen, dass sie als hartes Kernkapital gilt. Das Land trägt künftig auch die Verluste der Bank mit. Die Bank konnte daher schon Ende 2011 melden: Plan erfüllt.

DZ Bank

353 Millionen Euro fehlen Vorstandschef Wolfgang Kirsch, um die geforderte Kapitaldecke von neun Prozent nach den Kriterien der EBA zu erreichen. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut setzt darauf, dass das Geschäft läuft: Die neun Monate von Oktober 2011 bis Juni 2012 sollen die nötigen Gewinne bringen.

WestLB

Dass sie überhaupt in den Stresstest einbezogen wurde, war eine Überraschung. Denn genau an dem Stichtag, zu dem die Banken die geforderte Kapitalausstattung erreichen sollen, muss die WestLB nach dem Willen der EU-Kommission vom Markt verschwunden sein. Ob dann noch jemand kontrolliert, ob sie die Kapital-Lücke von 224 Mio. Euro vorher gestopft hat? Übrig bleibt nur das Sparkassen-Verbundgeschäft, das an die Helaba geht. Noch wird allerdings darum gefeilscht, wer wie viel Eigenkapital zur "Mitgift" von einer Milliarde Euro beisteuert, mit der die Verbundbank ausstaffiert werden soll.

Quelle: rts