Märkte beruhigen sichSpanien tankt Geld am Markt
Das überschuldete Spanien deckt sich mit Milliarden am Kapitalmarkt ein. Dafür werden allerdings deutlich höhere Zinsen fällig als beim letzten Mal. An den Märkten sorgt das Ergebnis dennoch für Erleichterung.
Das hoch verschuldete Spanien hat bei privaten Investoren knapp 3,5 Mrd. Euro eingesammelt. Die Auktion stieß auch wegen attraktiver Zinsen auf eine starke Nachfrage. Die Finanzmärkte reagierten erleichtert: Der Euro wertete spürbar auf, die Aktienmärkte legten zu. Die Emission galt als Vertrauenstest für Spanien.
Die zehnjährige Staatsanleihe wurde um drei Mrd. Euro aufgestockt, teilte das Finanzministerium in Madrid mit. Dafür werden 4,864 Prozent Zinsen fällig. Bei der vorangegangenen Auktion im Mai waren es lediglich 4,045 Prozent. Außerdem wurde eine 30-jährige Anleihe um 479 Mio. aufgestockt. Hier stieg der Zinssatz von 4,758 auf 5,908 Prozent. Die Nachfrage der privaten Investoren überstieg das Angebot deutlich: Die Emissionen waren um das 1,88-Fache beziehungsweise 2,44-Fache überzeichnet.
Spanien besteht weiteren Test
An den Märkten sorgten die Ergebnisse für Erleichterung. "Die starke Nachfrage nach spanischen Anleihen dürfte helfen, das Vertrauen wiederherzustellen", sagte Ciaran O'Hagan von Societé Générale. "Spanien hat einen weiteren Markttest bestanden", hieß es bei 4Cast. Das Land will seine Kreditwürdigkeit durch ein drastisches Sparprogramm erhalten.
Die Regierung unter Jose Luis Rodriguez Zapatero will binnen drei Jahren den Haushalt um insgesamt 65 Mrd. Euro entlasten. Dafür werden die Löhne im öffentlichen Dienst gekürzt und die Sozialausgaben zurückgefahren. Auch eine Reichensteuer ist im Gespräch. Dadurch soll das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Die EU-Verträge sehen eigentlich eine Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes vor.
Der Euro stieg nach der erfolgreichen Auktion um rund einen Cent und nahm die Marke von 1,24 US-Dollar ins Visier. Der deutsche Aktienindex Dax kletterte ebenfalls. Der Risikoaufschlag für spanische Staatsanleihen im Vergleich zur deutschen Bundesanleihe fiel auf 2,22 Prozentpunkte von 2,36 Punkten. Der Zinsabstand war zuvor so groß geworden wie noch nie seit Bestehen der Währungsunion. Auch die Zinsaufschläge für portugiesische Anleihen sanken.