ThyssenKrupp heizt einSpekulanten sind "Jobkiller"
Geht es den Stahlkonzernen gut, brummt auch die Wirtschaft. Aber genau da liegt die Crux. ThyssenKrupp und Co. sind von den Preisen der Rohstofflieferanten abhängig und die werden derzeit von Spekulanten in die Höhe getrieben. Der Betriebsrat des Dax-Konzerns fordert die Politik zum Handeln auf.
Der Betriebsrat von ThyssenKrupp Steel Europe fordert von Bundesregierung und EU ein Verbot von Rohstoffspekulationen am Spotmarkt und ein Vorgehen gegen Rohstoffkartelle. "Es besteht die Gefahr, dass in Deutschland 30.000 und in ganz Europa Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gehen", sagte Gesamtbetriebsratschef Wilhelm Segerath. Nicht nur Stahlproduzenten, auch Weiterverarbeiter wie die Automobilindustrie seien betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso müssten handeln, um die Arbeitsplätze zu sichern.
"Wenn das Oligopol der Eisenerzproduzenten seine drastisch überzogenen Forderungen nach Preiserhöhungen von mehr als 100 Prozent durchsetzen kann, dann droht dem Konjunkturaufschwung ein Rückschlag", sagte Segerath. Allein eine solche Preissteigerung belaste die deutschen Stahlproduzenten mit 500 Millionen Euro Mehrkosten. Die Rohstoffkosten werden auf rund Dreiviertel des Stahlpreises beziffert.
"Wettverbot" gefordert
Für den Kapitalmarkt verlangt der Betriebsrat ein Ende der Wetten auf Börsenkurse und Staatspleiten und künftig wohl auch Rohstoffpreise, wenn die Erze nur noch am Spotmarkt gehandelt werden, wie die Produzenten es anstreben würden.
Bislang seien längerfristige Lieferverträge von einem Jahr mit den Eisenerzproduzenten Vale, Rio Tinto und BHP Bilton, die 70 Prozent des Weltmarktes abdecken, möglich gewesen. Derzeit gebe es höchstens noch Quartalsverträge. "Die Produzenten setzen jetzt auf den Handel am Spotmarkt. Das treibt die Preise und Spekulationen", sagte Segerath. Die Steigerungen seien dann nicht mehr wie bisher an den Kunden weiterzugeben.
"Jetzt ist ein regulativer Eingriff gegen diesen Wahnsinn notwendig", fordert Segerath im "Duisburger Appell". Noch für April plant der Betriebsrat einen europäischen Aktionstag in Duisburg.