Donnerstag, 12. August 2010
Selbstständigkeit ist Trumpf: Stada ignoriert Offerten
Kaufinteressenten stehen bei Stada vor der verschlossenen Tür. Der Generikahersteller aus Bad Vilbel will trotz eines harten Marktumfeldes seine Eigenständigkeit nicht aufgeben.Der Generikaspezialist Stada zeigt möglichen Kaufinteressenten
die kalte Schulter. Fast täglich stünden bei ihm Berater auf der Matte, um ihm eine
Fusion oder Übernahme durch den US-Pharmariesen Pfizer oder den Rivalen Actavis
schmackhaft zu machen, sagte Stada-Chef Hartmut Retzlaff bei der Vorlage der Halbjahreszahlen
in Frankfurt. "Aber darauf steigen wir nicht ein." Eine Kaufofferte oder
direkte Anfragen von Pfizer oder dem isländischen Generikahersteller Actavis habe
es bisher aber nicht gegeben, betonte der Manager.
Deutschland ist der weltweit zweitgrößte Markt für Nachahmer-Arzneien. Die Geschäfte der Firmen sind derzeit im Umbruch, denn der Markt wird inzwischen stark von den Rabattverträgen mit den großen Kassen bestimmt. Unter den drei führenden deutschen Firmen ist allein Stada noch unabhängig. Der Ulmer Konkurrent Ratiopharm gehört mittlerweile dem israelischen Generika-Weltmarktführer Teva, die bayerische Hexal ist schon seit Jahren Teil der Schweizer Novartis-Gruppe.
Umsatz in Deutschland gesunken
Im ersten Halbjahr bekam der Konzern das harte Marktumfeld in Deutschland deutlich zu spüren. Der Umsatz auf dem Heimatmarkt nahm um acht Prozent auf 259,9 Millionen Euro ab. Damit erwirtschaftete das Unternehmen aus dem hessischen Bad Vilbel nur noch ein Drittel seiner Erlöse hierzulande.
Stada hofft für nächstes Jahr aber auf ein Ende des Abwärtstrends "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Geschäfte in Deutschland ab 2011 stabilisieren", sagte Retzlaff. Konzernweit erwirtschaftete Stada im ersten Halbjahr 778,1 Millionen Euro Umsatz, drei Prozent mehr als vor Jahresfrist. Dabei half ein starkes Auslandsgeschäft. So steigerte Stada in seinem zweitwichtigsten Markt Russland den Umsatz um 24 Prozent auf 96,8 Millionen Euro.
Stada erwirtschaftete in den ersten sechs Monaten einen operativen Gewinn von 98,6 Millionen Euro. Das sind 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Unter dem Strich erzielte das hessische Unternehmen in den Monaten Januar bis Juni einen Überschuss von 50 Millionen Euro - ein Plus von vier Prozent. An der Prognose für das Gesamtjahr hielt Retzlaff fest. Demnach sollen 2010 operativer Gewinn und Umsatz anziehen.
Sparpaket soll kommen
An der Börse konnte Stada mit seinem Bericht dennoch nicht punkten. Die im MDax notierte Aktie gab kräftig nach. "Wir sind vor allem besorgt, was die Entwicklung in Deutschland und Serbien angeht", kommentierte das Brokerhaus Equinet.
Mit dem seinem im Juni angekündigten Sparprogramm sieht sich Stada im Plan. "Vier Werke sollen geschlossen oder verkauft werden. Ich gehe davon aus, dass das bis Mitte nächsten Jahres geschehen wird", sagte Retzlaff. Im Rahmen des Sparpakets soll bis 2013 jede zehnte der rund 8000 Stellen im Konzern gestrichen werden. Auch Produktionsstätten sollen aufgegeben und einzelne Bereiche ausgegliedert werden. Mit dem Programm will der Konzern vor allem seine Profitabilität verbessern.
wne/rts
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