Wirtschaft

Neues Preissystem bei EisenerzStahlriesen überdenken Einkauf

30.03.2010, 13:34 Uhr

Der brasilianische Bergbaukonzern Vale setzt bei Verhandlungen mit japanischen Stahlkochern ein neues Preissystem durch Ab dem 1. April sollen die Preise für Eisenerz quartalsweise und nicht mehr jährlich festgelegt werden. Damit wird die langfristige Planung für die Stahlhersteller schwieriger.

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Die langfristige Planung für Stahlhersteller wird schwieriger. (Foto: dpa)

Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hat seine ablehnende Haltung gegenüber einer Änderung der Vertragslaufzeiten mit seinen Eisenerzlieferanten bekräftigt. "Wir meinen, dass Richtpreise weiter für alle Partner gut sind", sagte ein Sprecher des Unternehmens. ThyssenKrupp habe auch mit seinen Kunden langfristige Lieferverträge. "Wenn wir das System ändern, müssen wir auch über unser eigenes System nachdenken."

Die Eisenerzkonzerne Vale und BHP Billiton haben bei japanischen Stahlschmieden Abschlüsse mit einer Laufzeit von nur drei Monaten statt der bislang üblichen Jahresverträge durchgesetzt.

Der Chef von Deutschlands zweitgrößtem Hersteller Salzgitter , Wolfgang Leese, hatte bereits am Freitag erklärt, so eine Umstellung würde das Unternehmen vor Probleme stellen. "Es gibt keine Börse für Eisenerz", sagte Leese. Zwar werden durchaus kleine Mengen am Spotmarkt gehandelt, der Löwenanteil aber in Einjahresverträgen festgelegt. "Wir könnten nicht hedgen, sollte die Branche weg von einjährigen Benchmarkpreisen gehen", sagte Leese. Branchenexperten erwarten, dass mit der aufblühenden Nachfrage schnell entsprechende Instrumente angeboten würden. "Der Markt für Eisenerz ist groß, also dürfte es für den Finanzmarkt möglich sein, Sicherungsgeschäfte aufzulegen", sagte Commerzbank-Analyst Ingo Schachel.

Langfristige Planung schwierig

Die Stahlkocher könnten auch stärker zu "natürlicher Absicherung" übergehen. "Wir haben im Hamburger Hafen und in Salzgitter Erz liegen für vier bis fünf Monate. Man kann sich auch ein Zwischenprodukt hinlegen", sagte Leese, stellte allerdings klar: "Wir planen derzeit nicht, Lager aufzubauen."

Die von den Minenbetreibern mit japanischen Stahlherstellern ausgehandelten Preisaufschläge von 90 Prozent machen Salzgitter ebenfalls zu schaffen, auch wenn das Unternehmen selbst bereits Preiserhöhungen angekündigt hat. Der Konzern war in seiner Planung für 2010 nur von 30 bis 40 Prozent ausgegangen. Eine schnelle Trendwende ist nicht in Sicht. "Bei Erzpreisen glaube ich das das nun erreichte Niveau bis 2011 andauern wird, 2012 könnte es wieder runter gehen", sagte Analyst Schachel.

Die Autobauer als wichtigste Kundengruppe dürften auch unter den höheren Preisen und den kürzeren Preiszyklen leiden. "Schon die bisherige Einjahres-Preisbindung beim Stahleinkauf ist ein Problem, weil Autos einen Produktzyklus von sieben bis zehn Jahren haben und die Preise dabei nicht angehoben werden", sagte Christoph Stürmer vom Analysehause Global Insight. Allerdings sei es auch bislang gelungen - etwa zuletzt über an den Schrottpreis gekoppelte Preisaufschläge - die Preisbindung flexibler zu gestalten. "Im großen und ganzen führt ein höher frequenter Markt zu einer effizienteren Preisbildung."

Quelle: rts