Öffentliche Nachfrage zu geringStimmung am Bau ist mau
Die deutsche Konjunkturlok kommt in Fahrt; die Baubranche hinkt allerdings hinterher. Grund ist eine schlechter als erwartet verlaufende öffentliche Nachfrage. Wegen ihrer angespannten Finanzlage knausern Städte und Gemeinden.
Das deutsche Baugewerbe kommt nicht aus der Krise. Insbesondere die öffentliche Baunachfrage laufe schlechter als aufgrund der staatlichen Konjunkturprogramme erwartet, teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in Berlin mit.
Laut Statistischem Bundesamt erzielten die Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten im ersten Halbjahr 2010 preisbereinigt ein Auftragsplus von 4,4 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2009. Gleichzeitig fiel der Gesamtumsatz um 6,8 Prozent auf 32,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten am Bau ging in diesem Zeitraum um 1,0 Prozent zurück.
Zwar hätten sich die Erlöse nach dem witterungsbedingten Einbruch zum Jahresauftakt noch nicht wieder erholt. "Allerdings verzeichneten die Betriebe im Juni erstmals seit März des vergangenen Jahres wieder ein Umsatzplus, und zwar von 2,7 Prozent", erklärte der Verband.
Klamme Kommunen
Als enttäuschend bewertete die Bauindustrie die öffentliche Nachfrage. In dem Bereich seien die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres trotz der Konjunkturprogramme um 3,2 Prozent gesunken, die Auftragseingänge hätten um 1,5 Prozent unter Vorjahr gelegen. Der Hauptverband vermutet, dass viele Städte und Gemeinden ihre Investitionspläne wegen der angespannten kommunalen Finanzsituation zurückgenommen haben. Dieser Rückzug komme angesichts der Risiken im Wirtschaftsbau zu früh.
"Während sich andere Branchen über zweistellige Zuwachsraten freuen können, läuft die konjunkturelle Entwicklung in der deutschen Bauwirtschaft eher verhalten", urteilte der Verband. Das Plus beim Auftragseingang sei im zweiten Quartal deutlich geringer ausgefallen als zu Jahresanfang.