Wirtschaft

Giftpfeile gegen OaktreeStolberg bricht sein Schweigen

18.03.2011, 11:36 Uhr

Der entmachtete Beluga-Gründer Stolberg fährt gegen den Investor Oaktree ein schweres verbales Geschütz auf. Die Amerikaner hätten die Krise erst herbeigeführt, sagt der 50-Jährige. Beluga steht das Wasser bis zum Hals; Oaktree führt derzeit die Geschäfte. Die Tochter Chartering und deren Obergesellschaft Beluga Shipping sind insolvent.

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Niels Stolberg nach einer Vernehmung durch die Bremer Staatsanwaltschaft. (Foto: dapd)

Nach der Pleite von zwei Töchtern der Bremer Reederei Beluga hat Firmengründer Niels Stolberg dem US-Investor Oaktree vorgeworfen, die Krise erst herbeigeführt zu haben. "Für mich sieht es so aus, als ob Oaktree Beluga bewusst in die Insolvenz gedrückt hat", zitierte der Bremer "Weser Kurier" den suspendierten Unternehmenschef.

Oaktree führt seit kurzem die Geschäfte der Unternehmensgruppe. Stolberg sagte der Zeitung, mit den Banken und Schiffsgesellschaften wäre "im vernünftigen Dialog eine Lösung möglich gewesen", um die Zukunft von Beluga zu sichern. Er werde jetzt dafür kämpfen, dass das Unternehmen fortgeführt werden könne.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Edgar Grönda erklärte nach einer Versammlung von Beluga-Mitarbeitern, in den nächsten Tagen werde es vor allem darum gehen, in Gesprächen mit den Gläubigern eine neue Vertrauensbasis zu schaffen. Es komme nun darauf an, "die gegenwärtigen Irritationen bei den Beluga-Geschäftspartnern zu beseitigen".

Nach der für das Kerngeschäft zuständigen Tochter Chartering hatte auch deren Obergesellschaft Beluga Shipping Insolvenz angemeldet. Die Holdinggesellschaft Beluga Group selbst ist nach Unternehmensangaben nicht von der Insolvenz betroffen. In beiden Fällen nannte Beluga als Ursache die "Aufdeckung von erheblichen Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität".

Charterverträge gekündigt

Oaktree war während der Schifffahrtskrise bei Beluga eingestiegen und hatte vor kurzem die Kontrolle bei der Reederei übernommen. Der US-Investor hatte Firmengründer Stolberg und weitere suspendierte Beluga-Manager angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem wegen Betruges und "unrichtiger Darstellung" nach dem Handelsgesetzbuch.

Mehrere Eigner der an Beluga vermieteten Frachter waren der Empfehlung einer Interessengemeinschaft gefolgt und hatten die Charterverträge gekündigt. Die Reederei verfügt seitdem nur noch über 20 ihrer ursprünglich 72 Schiffe.

Quelle: rts