Wirtschaft

Größter Hafen des LandesSüdafrika riskiert Milliardengrab

20.08.2009, 11:32 Uhr

Südafrika investiert im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 Milliardensummen in seine Infrastruktur - und riskiert, auf Entwicklungsruinen sitzen zu bleiben.

Durban
Die Einfahrt in die am Indischen Ozean gelegene Hafenstadt Durban wurde mit Millionenaufwand verbreitert. (Foto: dpa)

Es geht nicht nur um neue Stadien und umstrittene Transportsysteme wie das von der Taxibranche bekämpfte Schnellbus-System, sondern auch um lange vor dem WM-Zuschlag geplante Projekte. Eins davon steht kurz vor der Eröffnung: der bei Port Elizabeth gebaute Tiefseehafen Ngqura. Dieser hat nicht nur das Potenzial, Schiffskapitäne vor ernsthafte Sprachprobleme zu stellen. Ngqura könnte auch Afrikas bedeutendstem Hafen in Durban den Rang als zentraler Container-Umschlagplatz streitig machen. Der Hafenbau bei Port Elizabeth in Nelson Mandelas strukturschwacher, ländlicher Heimatregion begann vor rund einem Jahrzehnt. Das Ziel: dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen und wirtschaftliche Impulse geben.

Ob das gelingen kann, muss sich noch zeigen. Denn die Zahl der Investoren für die Entwicklungszone ist - nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der globalen Krise - weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Absichtserklärungen gab es zwar, konkretere Zusagen kamen aber nur zögerlich und meist von mittelständischen Betrieben. Bislang investierte der staatliche Betreiber Transnet knapp eine Milliarde Euro in den Tiefseehafen und die Entwicklungszone. Von den geplanten Prestige-Projekten ist am Ende aber nur eines geblieben: der Raffinerie-Neubau der staatlichen Petro SA. Der Entwurf für die auf 11 Milliarden Dollar veranschlagte Anlage kommt von der US-Gruppe KBR. Die Anlage ist für eine Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag ausgelegt. Vom Jahr 2014 an soll sie die Raffineriekapazität am Kap verdoppeln.

Hafen-Neubau als Investruine?

Durban-Schienen
Das Moses-Mabhida-Stadion liegt zentral in Durban. (Foto: REUTERS)

Befürchtungen, das Hafenprojekt könnte wegen mangelnder Schienen- und Straßenanbindung ins industrielle Kernland um Johannesburg zur Entwicklungsruine werden, weist Transnet als haltlos zurück. "Ngqura wird Südafrikas größter Hafen werden ... Es wird zudem die einzige Drehscheibe des Landes werden", sagte der zuständige Transnet-Manager Solly Letsoalo - und sorgte damit in der rund 700 Kilometer entfernten Hafenstadt Durban für ein Aufhorchen.

Denn Transnet unterstellt Durban absehbare Kapazitätsgrenzen. Dabei wurde Durbans Hafeneinfahrt gerade erst mit Millionenaufwand vertieft und verbreitert, um künftig für größere Schiffe erreichbar zu sein. Und der Hafen ist nicht Durbans einziges Sorgenkind. Die Stadt am Indischen Ozean gibt sich auch alle Mühe, den Standort im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft durch einen neuen Großflughafen auszubauen. Der wurde so ausgelegt, dass sogar der Riesen-Airbus A380 dort problemlos starten und landen kann. Doch mit Ausnahme der Fluggesellschaft Emirates gibt es keine Airline, die von Durban aus Langstreckenflüge anbieten will. Auch Frachtfluglinien geizen mit Plänen für den vor der Vollendung stehenden Flughafen. Das trifft den angegliederten Dube TradePort - er ist für einen Jahresumschlag von 100.000 Tonnen Fracht ausgelegt.

Fragen wirft zudem der geplante Raffinerie-Neubau im fernen Ngqura auf: Denn in Durban steht die älteste und mit einer Kapazität von 120.000 Barrel pro Tag zweitgrößte Raffinerie des Landes. Um sie auf europäische Umweltnormen zu bringen und auszubauen, sind bis 2014 nach Branchenangaben Investitionen in Höhe von rund 3,6 Mrd Euro nötig. Doch in der Krise ist das Geld knapp, und die Aufnahmefähigkeit des heimischen Marktes ist begrenzt. Der Raffinerie-Neubau in Ngqura könnte die Investitionen hinfällig machen - sofern die Finanzkrise die Pläne für den Bau nicht durchkreuzt.

Quelle: Ralf E. Krüger, dpa