Sorgenkind Hapag-LloydTUI muss handeln
Der Tourismuskonzern TUI stellt sich nach der Soforthilfe für seine ehemalige Tochter Hapag-Lloyd auf weitere Unterstützungsleistungen ein. Der von den Eignern ausgemachte Kapitalbedarf liege unverändert bei 750 Mio. Euro, verlautete aus Unternehmenskreisen.
Über die vor Kurzem beschlossene Soforthilfe von 330 Mio. Euro hinaus seien die Hapag-Eigner darauf eingestellt, 420 Mio. Euro zu geben. "Ob TUI weitere Barmittel zuschießt oder bestehende Kredite an Hapag in Eigenkapital wandelt, ist allerdings noch offen", hieß es aus TUI-Kreisen. Letzteres werde favorisiert.
Die Lage bei Hapag-Lloyd soll im Herbst noch einmal überprüft werden. "Bei einer drastischen Verschlechterung ist natürlich nichts auszuschließen - aber davon gehen wir derzeit nicht aus", sagte ein TUI-Aufsichtsrat. Die Rettung Hapag-Lloyds hänge nun auch an der Bereitschaft des Staates, der Reederei mit Bürgschaften zur Seite zu stehen. Kreisen zufolge hofft Hapag auf eine Mrd. Euro an Staatshilfe. Ein Antrag soll in den kommenden Wochen gestellt werden. "Spätestens bis zur letzten Sitzung des Haushaltsausschusses am 10. September muss das Thema durch sein", sagte ein anderer TUI-Aufsichtsrat.
Hamburg erneut gefordert
"Hamburg wird sich einer Bürgschaftslösung nicht verschließen", sagte ein Sprecher der Finanzbehörde der Hansestadt mit Blick auf Spekulationen, dass Hamburg wegen seiner Hilfsaktionen für die HSH Nordbank und die Sietas-Werft zu klamm für weitere Hilfsaktionen sei. Zuvor muss die Bürgerschaft Kreisen zufolge allerdings den Bürgschaftsrahmen erhöhen. Bei Bürgschaften geben in der Regel Land und Bund je 50 Prozent.
Ende Juli hatten sich die Hapag-Eigner auf Soforthilfemaßnahmen für die wegen des Einbruchs des Welthandels in Schieflage geratene Hapag-Lloyd geeignet. Demnach kaufen einige Hapag-Aktionäre dem Unternehmen seinen Anteil von 25,1 Prozent am Containerterminal in Hamburg-Altenwerder für 315 Millionen Euro ab. Zudem gewährt die Hapag-Aktionärin HSH Nordbank Hapag einen Kredit über 15 Mio. Euro. Der vor einem Jahr als Hapag-Retter gefeierte Mit-Eigner Klaus-Michael Kühne beteiligt sich nicht an den Stützungsaktionen.