Kundenschwund im US-GeschäftTelekom steckt zaghafte Ziele
Mit widerstrebenden Gefühlen blickt Telekom-Chef Obermann ins Jahr 2010 zurück: Während der Gesamtgewinn deutlich anschwillt, schrauben sich das Unternehmen im vierten Quartal tief ins Minus. Für das laufende Jahr gibt die Telekom zurückhaltende Ziele aus. Verzerrungseffekte machen es den Analysten nicht einfach: Sie erschweren den Vergleich.
Die Deutsche Telekom hat ihre Geschäftsergebnis 2010 im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Für das laufende Jahr rechnet der Bonner Konzern dagegen mit Einbußen.
Unterm Strich steigerte die Telekom ihren Jahresüberschuss von 353 Mio. Euro auf 1,7 Mrd. Euro. Im vierten Quartal musste die Telekom allerdings eigenen Angaben zufolge hohe Abschreibungen und Belastungen verkraften - ohne den Effekt wäre der Gewinn noch wesentlich höher ausgefallen.
So schlugen etwa Wertminderungen auf das Griechenland-Geschäft und Kosten für den Personalabbau sowie andere Posten mit insgesamt 1,9 Mrd. Euro zu Buche. Die Deutsche Telekom beschäftigt derzeit rund 250.000 Mitarbeiter.
Bilanzeffekt durch T-Mobile UK
Der Jahresumsatz sank um 5 Prozent auf 62,4 Mrd. Euro und blieb damit im Rahmen der Erwartungen. Der Rückgang sei auch auf die Ausgliederung der Mobilfunktochter in Großbritannien zurückzuführen, hieß es.
Die Telekom hatte 2009 milliardenschwere Abschreibungen auf das britische Mobilfunkgeschäft vorgenommen, was den Vergleich der Bilanzkennzahlen nun verzerrt. Inzwischen hat die Telekom ihre britische Mobilfunksparte in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht.
Die Thematik spielt auch bei der Betrachtung der Prognose für 2011 eine Rolle, da T-Mobile UK erst seit Anfang April nicht mehr im operativen Geschäft der Telekom auftaucht und somit noch in den operativen Kennziffern des ersten Quartals 2010 enthalten war.
Die Dividende soll fallen
Angesichts der starken Sondereffekte schlägt der Telefonriese seinen Anteilseignern vor, die Dividende für das abgelaufene Jahr zurückzuschrauben. Die Aktionäre sollen mit 0,70 Euro je Aktie bedacht werden - im Vorjahr waren es 0,78 Euro je Aktie.
Im vierten Quartal büßte der Konzern an Umsatz und Gewinn ein: Der Umsatz schrumpfte von 16,2 auf 15,5 Mrd. Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank von 5,07 auf 4,55 Mrd. Euro. Unterm Strich verschlechterte sich das Quartalsergebnis von minus 3 Mio. Euro vor einem Jahr auf minus 582 Mio. Euro.
Ein tiefrotes Schlussquartal
Belastet wurde die Entwicklung im vierten Quartal dabei unter anderem von Abschreibungen auf die Aktivitäten in Südosteuropa und Kosten in Zusammenhang mit der Einigung im Eigentümerstreit um die polnische Gesellschaft PTC.
Für 2011 setzte sich die Telekom bei der Bilanzkennzahl des sogennannten "Free Cash Flows" eine Zielmarke von 6,5 Mrd. Euro. Beim operativen Gewinn stellt sich das Unternehmen damit im laufenden Jahr auf einen weiteren Rückgang ein.
Beim bereinigten Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) will der Konzern 19,1 Mrd. Euro einfahren. 2010 lag dieser Wert bei knapp 19,5 Mrd. Euro, teilte der Dax-Konzern im Rahmen der Vorlage seiner Geschäftszahlen mit. Grund für Rückgang sei auch hier der Wegfall von T-Mobile UK aus dem operativen Geschäft.
Kritische Blicke auf T-Mobile USA
Mit den vorgelegten Zahlen hat der Ex-Monopolist seine Prognose für 2010 mehr oder weniger erfüllt. Diese sah ein bereinigtes Ebitda von 19,5 Mrd. bis 19,6 Mrd. Euro sowie einen Cashflow von mindestens 6,2 Mrd. Euro vor. Hier hatte die Telekom 2010 eine Summe von 6,54 Mrd. Euro erzielt, im laufenden Jahr soll er mindestens stabil bleiben oder leicht steigen.
Kritisch begutachten Analysten vor allem die Lage in den USA. Im Auslandsgeschäft durchleidet der Konzern schwere Zeiten. So verlor etwa der ehemalige Wachstumsgarant T-Mobile USA allein im Schlussquartal netto 318.000 Vertragskunden, während viele Länder Südosteuropas noch immer mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben.
In dieser Region hatte die Telekom mit dem Einstieg bei der griechischen OTE im Jahr 2008 ihre Präsenz stark erhöht. OTE ist neben Griechenland etwa in Rumänien aktiv.