Wirtschaft

Übernahmehunger nach RatiopharmTeva greift nach Cephalon

02.05.2011, 19:27 Uhr
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Teva-Niederlassung in Jerusalem. (Foto: REUTERS)

Paukenschlag in der Pharmabranche: Der Weltmarktführer im Generika-Geschäft mischt sich in den Übernahmekampf um den US-Konzern Cephalon ein und legt ein milliardenschweres Angebot vor. Valeant, der Teva-Rivale aus Kanada, zieht sich geschlagen zurück.

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Die 1901 gegründete Firma gehört inzwischen zu den größten Unternehmen Israels und ist Weltmarktführer für Nachahmermedikamente, die sogenannten Generika. (Foto: picture alliance / dpa)

Der israelische Arzneimittelhersteller Teva will seine Einkaufstour mit einer weiteren Milliardenübernahme fortsetzen. Nicht einmal ein Jahr nach Abschluss der Übernahme von Ratiopharm will der weltgrößte Generika-Hersteller nun den amerikanischen Spezialpharmazeutika-Konzern Cephalon für fast 7 Mrd. US-Dollar schlucken, wie Teva und Cephalon mitteilten. Das Unternehmen bietet den Cephalon-Aktionären 81,50 Dollar je Aktie und übertrumpfte damit die feindliche Offerte des kanadischen Rivalen Valeant um fast 12 Prozent. Valeant zog sein Angebot daraufhin zurück.

Teva will mit der Übernahme sein Geschäft mit Originalpräparaten ausbauen. "Wir haben Cephalon schon seit langer Zeit beobachtet und freuen uns sehr über die Möglichkeit, die Kräfte zu bündeln", erklärte Teva-Chef Shlomo Yanai. Das deutlich breitere Medikamenten-Angebot führe zu Synergien beim Vertrieb und steigere die Rentabilität. Die Direktorien beider Unternehmen haben Teva zufolge bereits grünes Licht für die Übernahme gegeben. Teva will den Zukauf noch im dritten Quartal in trockene Tüchern bringen.

Am Markt kam die Nachricht gut an. Teva-Aktien kletterten an der Börse in Tel Aviv um 3,5 Prozent. In den USA legten Cephalon-Aktien zunächst mehr als 4 Prozent zu.

Muskeln für das zweite Standbein

Teva ist zwar vor allem für seine Nachahmermedikamente bekannt. Der Konzern besitzt aber auch ein Geschäft mit verschreibungspflichtigen Originalpräparaten. Den Löwenanteil der Umsätze macht Teva hier mit dem Multiple-Sklerose-Medikament Copaxone. Mit den Cephalon-Medikamenten gegen Schmerz und Krebs sowie den Schlaf-Präparaten der US-Firma kann Teva die Abhängigkeit von der Multiple-Sklerose-Arznei in diesem Bereich verringern. Zusammen mit Cephalon besitze Teva künftig mehr als 20 Markenmedikamente mit einem Umsatz von zusammen rund 7 Mrd. US-Dollar, erklärte das Unternehmen.

Teva hatte erst im August die rund 3,8 Mrd. Euro schwere Übernahme des Ulmer Generika-Wettbewerbers Ratiopharm unter Dach und Fach gebracht. Deutschland, einer der größten Märkte für Nachahmermedikamente, war zuvor für Teva noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. 2008 hatte Teva bereits Milliarden für den US-Generikakonzern Barr ausgegeben.

Valeant hatte Ende März eine Offerte von 73 Dollar je Aktie vorgelegt. Analystin Natali Gotlieb von IBI Investment House bezeichnete den höheren, von Teva angebotenen Kaufpreis als durchaus angemessen, wenn die Israelis daraus entsprechende Synergien ziehen könne.

Quelle: rts