Wirtschaft

US-Notenbanker lehnt Fed-Spritze ab: Tokio fürchtet China-Blasen

Im Vorfeld des anstehenden G20-Gipfels in Südkorea melden sich mahnende Stimmen aus Japan und den USA zu Wort: Tokio warnt vor gefährlichen Ungleichgewichten in China, in Kansas fürchtet man die Folgen neuer Geldströme aus den Kellern der Fed.

Sozusagen der Brüderle Japans: Wirtschaftsminister Banri Kaieda.
Sozusagen der Brüderle Japans: Wirtschaftsminister Banri Kaieda.(Foto: REUTERS)

Japans Wirtschaftsminister Banri Kaieda hat sich im Vorfeld des Vorbereitungstreffens der Finanzminister und Notenbank aus den 20 führenden Industrienationen und aufstrebenden Schwellenländern zum G20-Gipfel im November besorgt über Anzeichen für die Bildung von Blasen in der chinesischen Wirtschaft gezeigt.

"Vor dem Hintergrund einer geldpolitischen Lockerung in den USA fließen riesige Mittel in die chinesischen Märkte und führen zu Anzeichen von Blasen", sagte Kaieda vor Journalisten. Wenn die jüngste Zinsanhebung in China keine Wirkung zeige und die Blasen platzten, würde dies der japanischen und der Weltwirtschaft einen Schlag versetzen, warnte er.

Generell dagegen: Thomas M. Hoenig.
Generell dagegen: Thomas M. Hoenig.(Foto: REUTERS)

Kaieda legte damit den Finger in eine Wunde, die vor allem die Beziehungen zwischen China und USA derzeit stark belastet. US-Politiker haben die Machthaber in Peking aufgefordert, die Landeswährung Renminbi Yuan aufzuwerten, um so einseitige Exportvorteile abzubauen. Im Gegenzug hatte China dreht den Spieß um .

Die umfangreichen Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zur Bekämpfung der Krise stoßen dabei nicht nur auf dem internationalen Parkett auf Kritik: US-Notenbanker Thomas Hoenig warnte erneut davor, zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Wenn die Fed versuche, auf diese Weise die hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, werde sie nur neue Probleme bekommen, sagte Hoenig vor Geschäftsleuten in Albuquerque.

Wenn die die Blasen platzen, würde dies der japanischen und der Weltwirtschaft einen Schlag versetzen, heißt es aus Tokio.
Wenn die die Blasen platzen, würde dies der japanischen und der Weltwirtschaft einen Schlag versetzen, heißt es aus Tokio.(Foto: REUTERS)

Hoenig steht als Präsident der regionalen Notenbank von Kansas City (Kansas City Fed) vor und ist das einzige Mitglied des zentralen Fed-Entscheidungsgremiums, das sich wiederholt gegen die Niedrigstzinspolitik der Notenbank über einen längeren Zeitraum gestellt hat.

Es wird erwartet, dass die Fed Anfang November mit dem Ankauf von Anleihen weiteres Geld auf den Markt wirft, um die noch immer lahmende Konjunktur anzukurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit abzubauen. Das beinhalte aber die Gefahr, die Inflation mehr als gewünscht anzuheizen, sagte Hoenig. Die Glaubwürdigkeit der Fed stünde damit auf dem Spiel.

Große Runde in Südkorea

Die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) beraten derzeit in Südkorea über eine Lösung des internationalen Währungsstreits. Bei dem Treffen sollen die Verhandlungen der Staats- und Regierungschefs beim anstehenden G20-Gipfel im Noovember vorbereitet werden.

In der Kritik steht vor allem das wachstumsstarke China, dem die Industriestaaten vorwerfen, sich mit einer künstlich verbilligten Währung Vorteile auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Deutschland wird bei dem Treffen von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle vertreten, der anstelle des erkrankten Finanzministers Wolfgang Schäuble nach Gyeongju gereist ist.

Die Staatengruppe berät zudem über einen besseren Schutz vor künftigen Wirtschafts- und Finanzkrisen. Die südkoreanische G20-Präsidentschaft will durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Sicherheitsnetz für krisengefährdete Staaten spannen lassen. Dies stößt jedoch unter anderem in Deutschland auf Ablehnung, das davor warnt, eine verfehlte Schuldenpolitik zu belohnen.

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Quelle: n-tv.de

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