Faszinierendes Flugzeug und Problemkind: Der A 380 erobert mittlerweile den Himmel. Die Entwicklung war allerdings sehr schwierig.
(Foto: REUTERS)
Samstag, 10. Oktober 2009
Zehn Jahre EADS: Turbulenzen ohne Ende
Zur Gründung des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS vor zehn Jahren ließen es sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der französische Premier Lionel Jospin nicht nehmen, persönlich Pate zu stehen. Ein "industrieller Pfeiler" entstehe da, der Europas Handlungsfähigkeit unter Beweis stelle, lobte der deutsche Regierungschef am 14. Oktober 1999 in Straßburg. Deutsche und Franzosen feierten EADS euphorisch als Beweis ihrer grenzüberschreitenden Freundschaft. Doch die Geschichte des Konzerns war dann mehr als turbulent.
Tatsächlich wurde die European Aeronautic, Defense and Space Company (EADS) erst nach langem Zögern und aus der Not heraus geboren. Denn die europäische Rüstungsindustrie, traditionell ein national gehüteter Bereich, war hoch zersplittert. Als nach dem Ende des Kalten Krieges die Aufträge wegbrachen, waren die Europäer kaum mehr in der Lage, der mächtigen US-Konkurrenz Paroli zu bieten. Und auch Zivilflugzeugbauer Airbus brauchte dringend ein Dach. Denn bis dahin war Airbus nur ein loses Konsortium, dem eine klare Führungsstruktur fehlte und das bei jedem Streit zwischen den nationalen Eignern auseinanderzubrechen drohte.
Zu EADS wurden dann die französische AerospatialeMatra und die DaimlerChrysler-Tochter DASA verschmolzen. Später stieß die der kleine spanische Partner Casa hinzu. In den ersten Jahren schien EADS trotz der dann viel gescholtenen deutsch-französischen Doppelspitze relativ gut zu funktionieren. Doch 2003 entbrannte nach dem Tod des Miteigners Jean-Luc Lagardère auf französischer Seite ein heftiger Machtkampf. EADS-Ko-Präsident Philipp Camus und Airbus-Chef Noël Forgeard kämpften erbittert um die Herrschaft im Konzern. Forgeard gewann 2005, aber anders als er erhofft hatte, muss er sich die Macht an der EADS-Spitze weiter mit dem Deutschen Thomas Enders als Ko-Chef teilen.
Kabel-Debakel beim A 380
Forgeard wurde im Jahr darauf die Pleite mit dem Riesen-Airbus A380 zum Verhängnis. Wegen falscher Verkabelung ließen sich die in Deutschland hergestellten Flugzeugteile bei der Endmontage in Toulouse nicht zusammenbauen. Von Hand mussten darauf die Kabelstränge wieder rausgerissen und neu verlegt werden. Unternehmensintern wurde das A380-Debakel zur Zerreißprobe, weil sich sich Deutsche und Franzosen gegenseitig die Schuld dafür zuschoben.
Jüngstes Projekt ist der Militärtransporter A400 M. Ende des Jahres soll endlich zum ersten in die Luft steigen.
(Foto: dpa)
Schon kurz darauf folgte der nächste Schlag. Nach massiver Kundenkritik musste Airbus seine Pläne für sein neues Langstreckenflugzeug A350 begraben. Die Maschine, die zunächst nur eine Weiterentwicklung des A330 sein sollte, musste vollkommen neu entwickelt werden.
Ende der Doppelspitze
Die Verzögerungen bei den beiden Prestige-Flugzeugen im Kampf gegen den US-Rivalen Boeing erschütterten nicht nur das Vertrauen der Kunden, sie verschlangen auch Milliarden. Die musste Airbus mit seinem Sparplan Power 8 wieder hereinholen, der die Streichung von 10.000 Stellen vorsah. Und noch heute ermittelt die französische Justiz zu dem A380-Desaster. Aktuelle und frühere Manager stehen im Verdacht, von den Problemen frühzeitig gewusst und ihre EADS-Aktien vor Bekanntgabe noch schnell zu Geld gemacht zu haben.
Die schweren Turbulenzen führten letztlich dazu, dass sich Deutsche und Franzosen durchrangen, die Doppelspitze 2007 aufzugeben. Jetzt leitet der Franzose Louis Gallois EADS alleine, während der Deutsche Thomas Enders die Tochter Airbus führt. Beide haben aber längst ein neues Sorgenkind: den Militärtransporter A400M. Der Erstflug der Maschine musste wegen Problemen mit den Motoren so oft verschoben werden, dass Deutschland und andere Bestellländer schon mit dem Ausstieg drohten. Ende des Jahres soll er nun endlich erstmals in die Lüfte. Der Liefertermin läge damit mindestens drei Jahre später als geplant.
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