Wirtschaft

Lichtblick ohne Leuchtkraft: US-Jobmotor stottert (noch)

Die US-Wirtschaft lebt vom Konsum der Bürger. Deren Stimmung steht und fällt mit einem sicheren Job. Da wirken die mehr als 100.000 geschaffenen Stellen im Dezember erst einmal positiv. Analysten geben sich damit zwar nicht zufrieden, die Anleger schon.

Ben Bernanke ist noch nicht zufrieden, auch wenn die US-Wirtschaft langsam in Fahrt kommt.
Ben Bernanke ist noch nicht zufrieden, auch wenn die US-Wirtschaft langsam in Fahrt kommt.(Foto: REUTERS)

Das Gute zuerst: Der Aufschwung am amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich im Dezember fortgesetzt. Und nun das Schlechte: Das Tempo ist deutlich geringer als erwartet. Im Dezember wurden lediglich 103.000 neue Jobs geschaffen - weitaus weniger als von Experten erwarteten 175.000; zumal kürzlich eine Umfrage auf eine hohe Nachfrage der Privatwirtschaft nach neuen Mitarbeitern hingedeutet hatte.

Doch Experten sehen keinen Grund für allzu großem Pessimismus: So werde die US-Notenbank Fed angesichts der weiter hohen Arbeitslosigkeit an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten. Zugleich sei die Arbeitslosenquote deutlich gesunken und inzwischen so niedrig wie seit mehr als anderthalb Jahren nicht mehr. "Ich würde die Daten daher als Anzeichen für eine anhaltende Belebung werten und ein Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft in Schwung kommt und wächst", sagte Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services.

Bernanke: Wirtschaft kommt in Schwung   

Die Notenbank hatte Ende 2010 ein 600 Mrd. Dollar schweres Ankaufprogramm aufgelegt, um Schwung in die Wirtschaft zu bringen. Experten gehen davon aus, dass sie erst dann mit den Konjunkturstützen aufhört, wenn die Arbeitslosenquote unter neun Prozent gesunken ist. Derzeit liegt sie bei 9,4 Prozent.

US-Notenbankchef Ben Bernanke sagte vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats, die Wirtschaft komme in Schwung, die Erholung reiche aber noch nicht aus, um die Arbeitslosigkeit deutlich abzubauen. Zuletzt hatten positive Signale von der Dienstleistungsbranche und Industrie Spekulationen geschürt, die Notenbank könnte ihr Ankaufprogramm kappen. So sammelten die US-Industriefirmen deutlich mehr Aufträge ein, die Einkaufsmanagerindizes signalisieren für Dienstleister und Verarbeitendes Gewerbe Wachstum.

Dynamik lässt nach

Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten können nicht vollends überzeugen. Der Druck auf US-Präsident Obama bleibt hoch.
Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten können nicht vollends überzeugen. Der Druck auf US-Präsident Obama bleibt hoch.(Foto: REUTERS)

Doch am Arbeitsmarkt kommt die Belebung mit Verzögerung an. Von Reuters befragte Analysten hatten mit dem Aufbau von 175.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft gerechnet; die Dienstleistungsfirma ADP Employer Services hatte kürzlich sogar 297.000 neue Jobs in Aussicht gestellt. "Die Erholung am Arbeitsmarkt ist immer noch deutlich langsamer, als es jeder erhofft hatte", sagte Unicredit-Experte Harm Bandholz. Das Arbeitsministerium revidierte am Freitag aber zugleich die Daten für die Vormonate kräftig nach oben. Im Oktober und November wurden demnach etwa 70.000 mehr Jobs geschaffen als bisher angenommen.

Die Arbeitslosenquote sank auf 9,4 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2009. Noch im November lag sie bei 9,8 Prozent. Die Quote wird durch eine Umfrage unter US-Haushalten ermittelt und damit nach einem anderen Verfahren als die Zahl der neuen Stellen - daher kann es zu Unterschieden zwischen beiden Kenngrößen kommen. "Die Daten sind ein Durcheinander", sagte Rob Carnell von der ING Bank: Sie signalisierten sowohl einen Anstieg der Beschäftigung als auch ein verstärktes Ausscheiden von Menschen aus der Erwerbsbevölkerung.

Hoffnung kehrt zurück

Letzteres ist für Experten Grund zu der Annahme, dass die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten weiterhin vergleichsweise hoch bleiben wird: In der schwersten Rezession seit Jahrzehnten haben sich viele US-Amerikaner enttäuscht vom Arbeitsmarkt abgewendet und die Suche nach einem neuen Job aufgegeben - im Dezember umfasste das Heer der Hoffnungslosen 1,32 Millionen Menschen. Viele von ihnen dürften angesichts der Konjunkturbelebung nun neue Hoffnung schöpfen und wieder Bewerbungen an mögliche Arbeitgeber schicken. Das aber treibt die Arbeitslosenquote in die Höhe.

Besonders gute Chancen haben Arbeitssuchende derzeit im Dienstleistungsbereich: Private Firmen in diesem Sektor stockten ihre Belegschaften um 115.000 auf. Einzelhändler stellten 12.000 neue Mitarbeiter ein. Schlechter sieht es dagegen im Verarbeitenden Gewerbe sowie im öffentlichen Dienst aus: Kommunen, Bundesstaaten und Regierung bauten wegen der klammen Finanzen 10.000 Stellen ab.

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Quelle: n-tv.de

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