Tankerauftrag vor WeihnachtenUS-Militär legt sich fest
Die Ausschreibung zum Bau eines neuen Tankflugzeugs für die US-Luftstreitkräfte wächst sich immer mehr zur Geduldsprobe für alle Beteiligten aus. Jetzt droht das milliardenschwere Projekt erneut in die Mühlen des US-Wahlkampfes zu geraten. Für EADS wäre das gar nicht so schlecht: Die Chancen auf einen Zuschlag in der dritten Runde steigen.
Die Entscheidung über die Vergabe des 35
Mrd. Dollar schweren Tankflugzeug-Auftrags der US-Luftwaffe fällt möglicherweise erst
kurz vor Weihnachten. Der Beschluss soll im Herbst fallen, sagte Air-Force-Sprecher Jack Miller. "Das ist der letzte
Stand und korrigiert und präzisiert alle früheren Aussagen." Beobachter fürchten nun bürokratische Spitzfindkeiten: Kalendarisch
geht der Herbst bis zum 20. Dezember. Eigentlich war den beiden Bietern EADS
und Boeing ein Ende der Zitterpartie bis zum 12. November in Aussicht gestellt
worden, wovon ein Sprecher von EADS Nordamerika auch weiter ausgeht. Boeing
erklärte, dass Geduld gefordert sei.
Analysten zufolge bestimmen die US-Kongresswahlen am 2. November zunehmend die
dritte Ausschreibungsrunde für die 179 Tankflugzeuge. Republikaner im Süden des
Landes stehen hinter der EADS-Offerte. Erhält der Konzern den Zuschlag, sollen
die A330-Maschinen der Tochter Airbus in einem neuen Werk in Mobile, Alabama
gebaut werden. Boeing geht mit einer Version seiner 767 an den Start, die
hauptsächlich im US-Bundesstaat Washington gefertigt werden soll. Das
Unternehmen wird von den Demokraten unterstützt.
Fast so kompliziert wie Europa
Boeing hatte in der Ausschreibung zunächst den Zuschlag erhalten. Nachdem
jedoch einer der größten Beschaffungsskandale der USA im Zusammenhang mit der
Vergabe ans Licht kam, wurde der Bieterprozess neu aufgerollt. Zuletzt setzte
sich EADS mit seinem damaligen Partner Northrop Grumman durch.
Nach Protesten
von Boeing wurde die Ausschreibung neu aufgerollt. Die Europäer stiegen
daraufhin aus und warfen der US-Regierung Voreingenommenheit vor. Der Konzern
entschied sich aber um und reichte ebenso wie Boeing am 9. Juli seine Bewerbung
um den prestigeträchtigen Auftrag ein. Überraschend warf auch der US-Konzern
U.S. Aerospace zusammen mit der ukrainischen Staatsfirma Antonow seinen Hut in
den Ring. Die Offerte wurde mit der Begründung, sie sei zu spät eingegangen
jedoch abgewiesen. U.S. Aerospace hat dagegen Protest eingelegt.