Wirtschaft
Stockender Verkehr in Neu Delhi. Im vergangenen Jahr wuchs der Automarkt in Indien um 31 Prozent.
Stockender Verkehr in Neu Delhi. Im vergangenen Jahr wuchs der Automarkt in Indien um 31 Prozent.(Foto: REUTERS)

Kräftiges Wachstum lockt: Unternehmen blicken nach Indien

Keine Spur mehr von Wirtschaftskrise - zumindest in Indien. Wenn die Delegation von Kanzlerin Merkel Anfang kommender nach Neu Delhi kommt, wird sie auf zuversichtliche Investoren aus der Heimat treffen. Die meisten von ihnen rechnen nach einer Umfrage mit satten Profiten.

Vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind deutsche Investoren in der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien so optimistisch wie nie zuvor. Einer repräsentativen Umfrage der Deutsch-Indischen Handelskammer (IGCC) zufolge erwarten 70 Prozent der deutschen Firmen in Indien in den kommenden drei Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von mehr als acht Prozent. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2010/2011 rechnen 84 Prozent der Unternehmen dieses Jahr mit weiteren Gewinnsteigerungen.

Merkel und mehrere Bundesminister werden am kommenden Dienstag zu den ersten deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Neu Delhi erwartet. Nach offizieller Schätzung lag Indiens Wirtschaftswachstum im Ende März abgelaufenden Finanzjahr 2010/2011 bei 8,6 Prozent.

Optimistische Prognosen

In diesem Zeitraum konnten der Umfrage zufolge 55 Prozent der Firmen ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent steigern. Zwei Drittel verbuchten Gewinnzunahmen, die Hälfte davon von über 20 Prozent. Noch positiver ist der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Nur ein Prozent befürchtet Gewinnrückgänge, 15 Prozent erwarten gleichbleibende Profite. Der Rest geht von steigenden Erträgen aus. Knapp ein Drittel rechnet mit einem Plus von über 20 Prozent.

Deutsche Investoren hätten mehr Vertrauen in das indische Wachstum als je zuvor, sagte IGCC-Hauptgeschäftsführer Bernhard Steinrücke. "Die Mehrheit der Unternehmen wird in Indien erheblich investieren." Der Besuch der Kanzlerin zum Auftakt des Deutschland-Jahres in Indien "wird die Beziehungen nochmal auf ein neues Level stellen. Er wird das Deutschland-Bild in Indien noch weiter verbessern."

Korruption als Problem

Anlass zur Sorge geben deutschen Investoren die jüngsten Korruptionsskandale in Indien. 85 Prozent der Befragten sagen, sie hätten das Image des Landes international beschädigt. Ebenfalls 85 Prozent sehen Imageschäden durch Politikstillstand und Reformstau. Dennoch erwägen 93 Prozent der deutschen Unternehmen nicht, aus diesen Gründen geplante Investitionen zu streichen oder zu verschieben. Allerdings wollen 37 Prozent der Manager die Investitionsrisiken deswegen neu bewerten.

Im Vergleich zu China schließt Indien nach Ansicht deutscher Investoren auf: Acht von zehn Befragten gehen davon aus, dass Indiens Wachstumsrate spätestens in den nächsten zehn Jahren mit der Chinas gleichzieht oder sie sogar übertrifft.

Der Optimismus schlägt sich in den Plänen für Neueinstellungen nieder: 37 Prozent der Befragten wollen die Zahl der Angestellten in diesem Jahr um ein Fünftel oder mehr erhöhen. Nach Angaben der Handelskammer beschäftigen die 120 größten deutschen Firmen in Indien derzeit rund 173 000 Mitarbeiter. Für ihre jährliche Studie befragte die Kammer in der zweiten Maihälfte 175 deutsche Unternehmen unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Sparten in Indien.

Quelle: n-tv.de

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