Wirtschaft

Produktion stark gedrosseltUnternehmen fahren auf Sicht

07.11.2011, 12:20 Uhr

Die Produktion in Deutschland verzeichnet im September auf Monatssicht den stärksten Einbruch seit Anfang 2009. Mit minus 2,7 Prozent erreicht sich nicht annähernd die Analystenprognosen. Trotz des Rückschlags zieht die Produktion im dritten Quartal um kräftige 1,7 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr an.

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Schleifen eines Zahnrades. (Foto: dapd)

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im September so kräftig gedrosselt wie über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sank sie um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009, als die weltweite Finanzkrise die Produktion um 6,8 Prozent einbrechen ließ.

Analysten hatten lediglich einen Rückgang um 0,5 Prozent vorhergesagt. "Diese Abschwächung ist allerdings durch die späte Lage der Sommerferien in diesem Jahr und die damit einhergehenden Produktionseinbußen überzeichnet", schrieb das Ministerium.

Trotz des Rückschlags zog die Produktion im dritten Quartal um kräftige 1,7 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr an. Die Industrie blieb damit eine wichtige Konjunkturstütze. Von Reuters befragte Analysten sagen für Juli bis September einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent voraus. Im zweiten Quartal hatte es nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gegeben. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 15. November.

Weniger Investitions-, mehr Konsumgüter

Allerdings spürt die Industrie immer stärker die Folgen der Schuldenkrise in Europa. Wegen der schwachen Nachfrage aus den Euro-Ländern brachen ihre Aufträge im September mit 4,3 Prozent nicht nur den dritten Monat in Folge ein, sondern zugleich so stark wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Die Bestellungen aus den Euro-Ländern gingen dabei mit 12,1 Prozent besonders stark zurück. Etwa 40 Prozent der deutschen Ausfuhren landen in der Währungsunion. Das Ministerium rechnet deshalb "für die kommenden Monate mit einer ruhigen Entwicklung der Produktion".

Besonders stark trat die Industrie auf die Bremse. Sie stellte im September 3,0 Prozent weniger her als im Vormonat. In den einzelnen Sparten fielen die Ergebnisse aber höchst unterschiedlich aus. Während die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern 4,7 Prozent weniger erzeugten, produzierte die Konsumgüterbranche 1,1 Prozent mehr. Die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien fuhren ihre Leistung um 2,8 Prozent herunter. Die Bauproduktion sank um 0,8 Prozent, die Energieerzeugung um 0,7 Prozent.

Quelle: rts