Dienstag, 30. März 2010
EU-Vergleich : Arbeit in Deutschland teuer
Exportkritiker dürfte das freuen: Eine Arbeitsstunde ist in Deutschland zuletzt deutlich teurer geworden. Deutsche Unternehmen sind daurch im EU-Vergleich schon wieder etwas weniger wettbewerbsfähig.
Wenn Arbeitgeber Entlassungen vermeiden wollen, müssen sie auch höhere Arbeitskosten in Kauf nehmen.
(Foto: Siegfried Fries, pixelio.de)
Die Arbeitskosten in Deutschland sind im Rezessionsjahr 2009 wegen der weit verbreiteten Kurzarbeit deutlich gestiegen. In der Privatwirtschaft kostete eine geleistete Arbeitsstunde die Arbeitgeber im Schnitt 30,90 Euro 4,1 Prozent mehr zahlen als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete.
Im gesamten Euro-Gebiet lag der Kostenanstieg dagegen lediglich bei 2,7 Prozent. Insgesamt liegt Deutschland bei den Kosten an achter Stelle, deutlich hinter den teuersten Ländern Dänemark und Belgien, aber weit vor den Euro-Sorgenländern Griechenland, Spanien und Portugal. Die Arbeitnehmer in Deutschland profitieren von dem Kostenanstieg jedoch nicht: Sie mussten 2009 erneut Reallohnverluste hinnehmen.
Eine noch stärkere Teuerung mussten die Arbeitgeber im Verarbeitenden Gewerbe hinnehmen: Hier lag der Kostenanstieg je Arbeitsstunde bei 5,1 Prozent auf 35,60 Euro. Nur in Belgien mit 38,50 Euro und Dänemark mit 35,90 Euro liegen die Kosten noch höher. In Griechenland müssen dagegen Arbeitgeber nur 13,80 Euro je Arbeitsstunde in der Industrie zahlen, in Portugal sind es gerade einmal 10,10 Euro.
Am billigsten ist Arbeit in Bulgarien, wo im Verarbeitenden Gewerbe 2,40 Euro und in der gesamten Privatwirtschaft 2,90 Euro gezahlt werden. Allerdings ist hier der Kostenanstieg mit 12,2 beziehungsweise 13,4 Prozent besonders groß.
Unterbeschäftigung in der Krise
Grund für den Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland ist der starke Rückgang der Arbeitszeiten: Viele Unternehmen versuchten, durch den Abbau von Überstunden oder den Einsatz der Kurzarbeit Entlassungen zu vermeiden. In der gesamten EU verbilligte sich Arbeit dagegen um 0,6 Prozent. Dabei spielte nach Angaben der Statistiker eine Rolle, dass in vielen Ländern, die nicht dem Euro-Raum angehören, die Währungen zum Teil massiv abgewertet wurden.
In den vergangenen Jahren hatte Deutschlands Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit massiv verbessert, das kommt vor allem der Exportwirtschaft zugute. Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde Deutschlands Exportüberschüsse für Ungleichgewichte in der Euro-Zone verantwortlich gemacht und eine Stärkung der Binnenwirtschaft gefordert.
Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht die deutsche Exportstärke in Verbindung mit dem seit Jahren vor sich hindümpelnden Privatkonsum kritisch: "Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Deutschland die Schieflage in der Währungsunion mit verursacht hat." Die Deutschen konsumierten in etwa so viel wie vor zehn Jahren, zugleich habe das Land im selben Zeitraum den Export um die Hälfte gesteigert. Dieses Modell sei für die anderen Eurozonen-Staaten kein Vorbild, sondern wirke kontraproduktiv: "Es ist daher absurd, Deutschland als Wachstumslokomotive zu bezeichnen."
rts
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