Streit um ProduktionsstättenVW lenkt ein
Volkswagen bemüht sich um die Wahrung des Betriebsfriedens. So versucht Vertriebsvorstand Macht, den Betriebsrat hinsichtlich der Pläne zur Produktionsverlagerung zu beruhigen. VW wolle auch die bestehenden Standorte auslasten, sagt er. VW-Betriebsratschef Osterloh hatte eine Mitsprache der Arbeitnehmer bei der Produktionsverteilung gefordert.
Nach heftiger Kritik des Betriebsrats an Planspielen zur Produktionsverlagerung will Volkswagen die Wogen glätten: Produktionsvorstand Michael Macht sicherte den Arbeitnehmern zu, die weltweite Expansion nicht gegen ihre Interessen voranzutreiben.
Der Konzern habe bei seiner Wachstumsstrategie auch die Auslastung an den bestehenden Standorten im Blick, versicherte der Manager. "In diesem Sinne werden wir unsere strategischen Planungen gemeinsam mit dem Betriebsrat erörtern." Dabei solle für das Stammwerk Wolfsburg "eine für beide Seiten akzeptable Lösung" gefunden werden.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte eine Mitsprache der Arbeitnehmer bei der Produktionsverteilung gefordert. Vor rund 20.000 Beschäftigten des VW-Stammwerks in Wolfsburg warnte er den Vorstand in ungewöhnlich scharfen Worten davor, Teile der Fertigung des kleinen Geländewagens Tiguan ins Ausland zu verlagern. "Diese Belegschaft kann und wird im Zweifel kämpfen", sagte er an den Vorstand gerichtet.
Bernhard scheiterte bereits mit seinen Plänen
Osterloh erinnerte daran, dass vor einigen Jahren bereits ein früherer VW-Vorstand mit Planspielen für Produktionsverlagerungen am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert ist. Der damalige Chef der Markengruppe VW, Wolfgang Bernhard, hatte mit der Verlagerung von Produktion beim Massenmodell Golf aus dem Stammwerk gedroht, um die Belegschaft in Tarifverhandlungen gefügig zu machen. Er hatte den Konzern später im Streit mit den Arbeitnehmern verlassen und arbeitet inzwischen beim Rivalen Daimler.
Vor Kurzem waren Überlegungen des Managements in die Öffentlichkeit gelangt, den kompakten Geländewagen Tiguan in Nordamerika zu bauen. Entsprechende Pläne, nach den Pkw-Modellen Jetta und Passat auch den Tiguan in Nordamerika herzustellen, könnten demnächst im Vorstand beschlossen werden, hatte die "Wirtschaftswoche" berichtet. Der Tiguan wird derzeit in Wolfsburg und in Russland gebaut.
Europas größter Autobauer hatte jüngst ein neues Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee eröffnet. Dort läuft der speziell für den Geschmack der amerikanischen Kundschaft entwickelte US-Passat vom Band. Das Werk ist so ausgelegt, dass es bei Bedarf erweitert werden kann. Auch die VW-Tochter Audi könnte dann dort produzieren.
Gesamtstrategie verlangt
Als Produktionsstätte für den Tiguan kommt dem Magazinbericht zufolge auch das Werk in Puebla in Mexiko in Betracht. Dort rollen der auf dem europäischen Verkaufsschlager Golf basierende Jetta und der Käfer-Nachfolger Beetle für den Export in die USA vom Band.
VW fährt derzeit in mehreren Regionen der Welt die Produktion hoch, um in einigen Jahren an dem angeschlagenen Weltmarktführer Toyota vorbeizuziehen.
Osterloh forderte den Vorstand auf, eine Gesamtstrategie für die Produktionsverteilung vorzulegen. Alle Werke müssten so ausgelastet sein, dass Rendite und Beschäftigung im Gleichklang seien. Die Arbeitnehmervertreter würden nichts zulassen, was sich negativ auf die Beschäftigung auswirke.