Wirtschaft

Fast 28 Prozent Plus in einem JahrVenezuelas Inflation galoppiert

06.01.2012, 12:02 Uhr
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Schöner neuer Schein: Venezuelas Bolivar Fuerte. (Foto: REUTERS)

Auch vier Jahre nach Einführung einer neuen Währung im Kampf gegen rapide steigende Preise klettert die Inflation in Venezuela mit schwindelerregender Geschwindigkeit. Damit läuft das sozialistisch regierte Land den meisten anderen Staaten mit Preissorgen den Rang ab.

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Versucht das Rad in Schwung zu halten: Präsident Hugo Chavez. (Foto: REUTERS)

Venezuela hat 2011 erneut eine der weltweit höchsten Inflationsraten verzeichnet. Die Verbraucherpreise stiegen laut venezolanischer Zentralbank im vergangenen Jahr um 27,6 Prozent. Im Jahr zuvor lag die Teuerungsrate bei 27,2 Prozent. Allein im Dezember erhöhten sich die Preise im Schnitt um 1,8 Prozent, im November waren sie noch um 2,2 Prozent gestiegen.

Das südamerikanische Land gehört damit zu den Staaten mit den höchsten Teuerungsraten weltweit. Die Preisentwicklung geht auch über das Anfang 2011 von der Regierung gesetzte Ziel einer maximalen Inflationsrate von 25 Prozent hinaus. Sie ist die Folge teils deutlicher Anstiege der Weltmarktpreise wichtiger Güter, was das von Importen abhängige Venezuela unmittelbar trifft. Allerdings habe sich die Inflationstendenz im vierten Quartal 2011 abgeschwächt, heißt es in einer Erklärung der Banco Central de Venezuela.

Neue Scheinstärke

Anfang 2008 hatte Venezuela die alte Landeswährung Bolivar durch den Bolivar Fuerte ("starker Bolivar") ersetzt, bei dem wegen der zuvor hohen Inflation drei Nullen gestrichen wurden. Der Wechselkurs des Bolivar Fuerte ist fest an den US-Dollar gekoppelt. Seitdem musste er bereits zweimal abgewertet werden. Zwischenzeitlich existierten dabei sogar unterschiedliche Wechselkurse für wichtige Güter wie Lebensmittel oder Medizin einerseits und übrige Produkte andererseits. Anfang 2011 setzte Venezuela den Umrechnungskurs einheitlich auf 4,30 je US-Dollar fest. Durch die Vereinheitlichung verteuerten sich die bislang vergünstigten Produkte auf einen Schlag um 65 Prozent.

Das Bruttoinlandsprodukt des südamerikanischen Landes konnte dagegen nach Angaben der BCV im vorigen Jahr um 4,0 Prozent zulegen. Damit lag die Wachstumsrate um das Doppelte über dem offiziellen Ziel. 2010 hatte Venezuelas Wirtschaft einen Rückgang um 1,5 Prozent verzeichnet. Venezuela ist größter Erdölexporteur Lateinamerikas und finanziert aus diesen Einnahmen nahezu die Hälfte seines Staatsetats.

Quelle: nne/rts