Wirtschaft

SpotanalyseVolkswirte zum Ifo-Index

23.02.2010, 10:57 Uhr

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend eingetrübt. Wie der Ifo-Index bei den Experten ankommt, lesen Sie hier.

Ifo
Auf den ersten Blick ist der Ifo enttäuschend, aber es soll weiter nach oben gehen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 95,2 Punkte von 95,8 Zählern im Vormonat. Das teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) nach seiner Umfrage unter rund 7.000 Firmen mit. Das Barometer war zuvor zehn Monate in Folge gestiegen. Experten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 96,1 Zähler gerechnet. Die Manager schätzten die Lage schlechter, die Aussichten aber besser ein. Hier eine erste Einschätzung der Zahlen durch Analysten:

Andreas Scheuerle, Deka Bank:

"Vor allem der Rückgang der Lage war eine Riesenüberraschung. Offensichtlich hat der Winter die Stimmung verhagelt, insbesondere im Einzelhandel, da die Frühjahrsware nicht verkauft wurde. Auch der Bau war durch den Winter beeinträchtigt. Der Anstieg der Erwartungen ist eine kleine Überraschung. Hier rechne ich mit einer Korrektur, die Lage wird sich aber wieder verbessern."

Alexander Koch, Unicredit:

"Auf den ersten Blick ist es enttäuschend, dass der Gesamtindex gesunken ist. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das harsche Winterwetter großen Einfluss genommen hat. Kälte und Frost haben die Einkaufslust der Konsumenten getrübt und das Baugeschehen erheblich behindert.

Der Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft ist aber noch nicht zu Ende. Einem harten Winter folgt oft eine umso kräftigere Belebung im Frühjahr. Die Industrie profitiert weiter von der Erholung der Weltwirtschaft. Der schwächere Euro stützt die Exporte zusätzlich."

Uwe Angenendt; BHF-Bank:

"Wir hatten mit einen kleinen Anstieg gerechnet, jetzt ist der Index leicht eingetrübt. Mehr oder weniger lag das aber im Rahmen der Erwartungen. Die Grundtendenz für die deutsche Wirtschaft geht weiter nach oben, das zeigt sich auch an den positiven Erwartungen. Das relativ schwache erste Quartal lag vor allem an der schlechten Witterung. Im zweiten Quartal wird die Tendenz weiter nach oben gehen. Im Verlauf der ersten Jahreshälfte kann der Geschäftsklimaindex durchaus über 100 Punkte steigen."

Jürgen Michels, Citigroup:

"Der Rückgang ist nicht ganz so schlecht einzuschätzen. Der kalte Winter verdirbt dem Einzelhandel das Geschäft, weil viele Kunden wegen der glatten Straßen und Gehwege zu Hause bleiben. Aber das ist ein temporärer Effekt, der bei besserem Wetter wieder korrigiert wird. Der Einzelhandel wird aber insgesamt kein gutes Jahr haben, vor allem wegen der steigenden Arbeitslosigkeit.

Der fallende Euro ist positiv für die exportabhängige Industrie. Sie schätzt das als bedeutender ein als die Finanzkrise in Griechenland. Es sieht weiter nach einem moderaten Aufschwung aus."

Quelle: rts