Klare Ansage für neue EZB-Spitze Weber vor Karrieresprung
Nicht nur in Köln wird geklüngelt: Die Finanzminister der Euro-Länder sind sich einig - der "Südeuropäer" Constancio wird EZB-Vizechef. Damit ist der Weg für einen "Nordeuropäer" als EZB-Präsident frei. Bundesbank-Boss Weber ist "Nordeuropäer".
Der portugiesische Notenbankchef Vitor Constancio soll der nächste Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Die Finanzminister der Euro-Länder verständigten sich auf Constancio als Nachfolger des Griechen Lucas Papademos. "Wir werden vorschlagen, dass Vitor Constancio zum Vizepräsidenten der EZB ernannt wird", sagte der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, nach dem Treffen der Minister.
Die Wahl eines Südeuropäers für das EZB-Führungsgremium gilt auch als Vorentscheidung im Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dessen Amtszeit im Herbst 2011 endet. Dadurch sollen die Chancen für Bundesbankpräsident Axel Weber steigen, im kommenden Jahr erster deutscher Chef der EZB zu werden.
Deutsch-französische Freundschaft
Constancio würde sein Amt im Mai antreten. Dem formellen Beschluss der EU-Finanzminister am Dienstag müssen noch die EU-Staats- und Regierungschefs zustimmen. Das Europäische Parlament hat das Recht, den Kandidaten anzuhören, kann die Entscheidung aber formell nicht blockieren.
Deutschland und Frankreich hätten sich auf Constancio verständigt, um Weber den Weg an die EZB-Spitze zu ebnen, erklärten mit dem Vorgang vertraute Personen. "Das bedeutet nicht, dass Weber es schon geschafft hat, aber ich denke, dass die beiden (Deutschland und Frankreich) zu ihrer Vereinbarung stehen werden", sagte ein Insider mit Zugang zu den politischen Entscheidungsträgern in der Euro-Zone. Gegenkandidat Webers wäre voraussichtlich der Chef der Banca d'Italia, Mario Draghi. Wegen des Regionalproporzes zwischen Nord- und Südländern in EU und Euro-Zone sinken dessen Chancen jedoch mit der Berufung des Südeuropäers Constancio als Nummer zwei der EZB.
Constancios Gegenkandidat war Luxemburgs Zentralbankchef Yves Mersch. Belgien hatte den Notenbankdirektor Peter Praet aufgestellt. Luxemburg und Belgien haben bereits Spitzenposten in der EU besetzt. Juncker wurde im Januar für zwei weitere Jahre im Amt des Vorsitzenden der Eurogruppe bestätigt. Der ehemalige belgische Regierungschef Herman Van Rompuy wurde der erste ständige EU-Ratspräsident.