Donnerstag, 02. September 2010
Hauptangeklagter will auspacken: Wende im Telekom-Prozess?
Der Anwalt des Hauptangeklagten T. nährt Hoffnungen, dass die Hintermänner der Spitzelaffäre bei der Telekom doch noch gefunden werden. Sein Mandant wolle bei dem Prozess, der am Freitag beginnt, "umfänglich aussagen". Der ehemalige Aufsichtsratschef Zumwinkel und Ex-Vorstandschef Ricke sind als Zeugen geladen.
Ob Telekom-Aufsichtsratchef Zumwinkel (rts.) und Ex-Vorstandschef Ricke vor Gericht erscheinen werden, ist unklar.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom will sich der Hauptangeklagte Klaus T. erstmals äußern. Der ehemalige Leiter der Telekom-Konzernsicherheit werde in dem am Freitag beginnenden Prozess "umfänglich aussagen", kündigte sein Anwalt Hans-Jörg Odenthal gegenüber dem "Handelsblatt" an. Die Aussagen T.s könnten auch den ehemaligen Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel und Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke belasten.
Ausgespähte warten auf Aufklärung
Die Telekom hatte in den Jahren 2005 und 2006 die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten der Telekom, Angehörigen des Betriebsrats, von Journalisten, aber auch von Dritten wie Verdi-Chef Frank Bsirske ausgespäht. Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel stellte die Staatsanwaltschaft im Juni ein. Den beiden Topmanagern konnte nach Angaben der Behörde anhand ihrer Aussagen nicht nachgewiesen werden, dass sie die Auswertung von Telefonverbindungsdaten von Mitarbeitern und Journalisten in Auftrag gegeben oder daran mitgewirkt hätten.
Neuauflage des Verfahrens möglich
Dem Hauptangeklagten Klaus T. wirft die Staatsanwaltschaft vor, die Telefondaten beschafft und einem externen Dienstleister zur Auswertung übergeben zu haben. Sollte der Prozess Beweise für eine Mitschuld von Zumwinkel und Ricke liefern, können die Ermittlungen gegen sie erneut beginnen: "Wir können jederzeit das Verfahren wieder aufnehmen", sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem "Handelsblatt". Zumwinkel und Ricke sind am Freitag als Zeugen geladen. Unklar ist, ob sie vor Gericht erscheinen werden.
Der ehemalige Telekom-Sicherheitsbeauftragte und Hauptbeschuldigte T. wollte sich bislang nicht zu den Bespitzelungsvorwürfen äußern - auch nicht zur Frage, ob Ricke und Zumwinkel seine illegalen Aktivitäten gebilligt oder gar angeordnet haben.
AFP
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